Der Fahrradpendler – Vom Luxus auf ein Auto zu verzichten

Fahrrad fahren im Berufsverkehr ist nicht nur eine CO2 neutrale Art des Pendelns, es ist gesund, macht Spaß und es hält fit. Dazu gibt es dann eine große Portion Nervenkitzel, aber Fahrrad fahren ist auch lange nicht so gefährlich wie viele tun. Wir sollten uns einer deutschen Gewohnheit entledigen und laufend Gründe suchen warum wir etwas nicht tun und immer auf irgendwas oder irgendwen warten. Aktuell warten alle auf eine bessere Fahrradinfrastruktur – die ist auch wichtig – aber man kann auch heute schon gut mit dem Fahrrad pendeln. Mit gegenseitiger Rücksichtnahme ist alles cool. Also: Wann fängst Du wieder mit dem Fahrrad fahren an an – Werde zum Fahrradpendler – JETZT!

Als Fahrradpendler genieße ich meine Freiheit!

Natürlich könnte ich mir ein Auto leisten – ich will aber einfach nicht. Ich brauche es nicht. Zwar ernte ich immer wieder erstaunte Blicke wenn ich erwähne, dass ich alles mit dem Fahrrad erledige aber die eingesparten Kosten, die eingesparte Zeit, den höheren Fitnessgrad zahlen sich einfach aus. Erst neulich bin ich für einen Geschäftstermin von Zehlendorf nach Prenzlauer Berg gefahren. 1 Stunde habe ich gebraucht, das waren ca. 20 Kilometer. Mein Kollege ist mit dem Auto gleichzeitig losgefahren und war gleichzeitig mit mir am Ziel. Nur musste ich dort keinen Parkplatz mehr suchen. Damit gehöre ich sicher zu den ambitionierten Fahrradfahrern. Aber egal wie –  Die Vorteile überwiegen immer: Kostenersparnis, frische Luft, tägliche Bewegung, schneller am Ziel. Dieses Hochgefühl, wenn ich als Fahrradpendler im Feierabendverkehr auf dem Kudamm auf meiner Busspur mit 30 km/h an den Stop-and-Go Verlierern vorbeirausche, fühlt sich schon verdammt gut an. Und ja, die Busspur ist für Busse, Taxen, Krankenwagen UND Fahrräder.

30% aller Autofahrten könnten durch das Fahrrad erstetzt werden (Quelle: Umweltbundesamt)

Jetzt muss man nicht gleich täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit pendeln. Man kann auch erst mal damit anfangen Kurzstrecken mit dem Bike zu erledigen. Die Fahrt zum Bäcker, zum Supermarkt, zum Frisör, zum Arzt. Fang einfach an, steig mal auf den Drahtesel und ersetze ein paar Deiner Autofahrten. Gut für die Umwelt und gut für Dich.

Fahrradpendler aus Überzeugung: Egal ob Eiseskälte oder Affenhitze

Mein Alltag als Fahrradpendler begann im Februar 2018 bei -10 Grad. Die U3 war wegen Bauarbeiten 2 Wochen gesperrt und ich hatte keine Lust auf Schienenersatzverkehr. Jetzt fahre ich generell gerne und viel Rad und war auch vorher schon in der Freizeit der Meinung “Die Saison beginnt am 1.1. und endet traditionell am 31.12.” Also kostete es mich keine Überwindung mich auch bei Minusgraden auf den Sattel zu schwingen. Nach 2 Wochen fuhr die U-Bahn wieder, aber ich wollte nicht mehr umsteigen, es fühlte sich wie ein Rückschritt an – Also blieb ich Fahrradpendler: 10 Kilometer morgens und 10 Kilometer Abends. Morgens kam ich gut gelaunt im Büro an und Abends auf dem Heimweg hab ich mir den Kopf frei geblasen. Mein Stoffwechsel wurde vom stotternden Motor zur präzise surrenden Hochleistungsmaschine. Ich wurde fitter und fitter. Dann kam die Hitzewelle und ich merkte schnell, dass Fahrtwind die beste Klimaanlage ist. Im Sommer habe ich mir dann ein Singlespeed-Bike zugelegt – meine Stadtschlampe, wie ich es gerne nenne und die hat mittlerweile auch schon wieder knapp 3000 Kilometer auf dem Buckel. Seit über einem Jahr bin ich jetzt Fahrradpendler und trotz aller Horrorgeschichten und einer mangelhaften Infrastruktur: Ich lebe noch!

Fahrradfahrer vs Autofahrer: Der Krieg, den es eigentlich gar nicht gibt

Wenn man einen Blick in die Diskussionen auf Facebook wirft, dann könnte man meinen da draußen tobt ein Krieg. Es ist ein Scheinkrieg, genauso wie Veganer gegen Fleischesser. Da kochen die Gemüter so hoch, als hätte jemand einen Salat aus Baby-Seehundaugen gekocht.

99% aller Fahrradfahrer sind Verkehrsraudis, halten sich an keine einzige Verkehrsregel und sind eine Bedrohung für die Allgemeinheit
99% aller Autofahrer sind rücksichtslos – Sie verstehen ihr Auto als Waffe und Statussymbol sehen und sehen sich als die “Stärkeren” immer im Recht.

Kennste oder?
Tatsächlich entscheidet ja nicht die Anzahl der Räder ob der Fahrer eine Arschgeige ist oder nicht, sondern die Arschgeige an sich. Fahrrad fahren alleine macht niemanden zum Idioten!

Ich kenne beide Seiten.
Als Fahrradpendler bin ich täglich ca 20 Kilometer auf der Straße und mir begegnen Autofahrer, die denken 30 cm wäre ein ausreichender Sicherheitsabstand, die ohne zu schauen rechts abbiegen und mich zu einer Vollbremsung nötigen. Ich sehe auf Fahrradwegen geparkte Autos, von der Seitenstraße schießende Autos, denen es irgendwie gelingt durch mich durch zu schauen – trotz Licht und Leuchtfarben-Klamotten.

Aber mir begegnen auch Fahrradfahrer, die ohne Beleuchtung, ohne auf das Umfeld zu achten durch den Verkehr kurven. Die sich rechts an einer gerade anfahrenden Autokolonne vorbei quetschen, die über Zebrastreifen rauschen und zwischen Fußgängern auf Gehwegen Slalom fahren. Ich sehe auch Radfahrer mit Beuteln am Lenker in Schlangenlinien bei Rot in eine Kreuzung fahren und ich erkenne was diese Menschen für eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer darstellen.

Meine Erfahrung als Fahrradpendler sieht so aus:

Vielleicht 10% der Autofahrer verhalten sich mir gegenüber kacke. Ja es gibt die Momente wo ich an die oben genannten 99% glaube, sobald sich mein Blutdruck aber wieder gesenkt hat, sehe ich die vielen anderen Autofahrer, die sich korrekt verhalten.
Man bemerkt ja diejenigen, die sich an alle Regeln halten oft gar nicht. Und so soll es sein. Dann gibt es Autofahrer, die beim Einfädeln auf dem Radweg stehen sich winkend entschuldigen, wenn sie mich sehen oder sogar wieder etwas zurücksetzen.  Geschenkt – Da muss ich mich nicht drüber aufregen. Es gibt die Autofahrer, die beim rechts abbiegen aufpassen, manchmal mehr als nötig. Und es gibt auch die Autofahrer, die eine Lücke lassen, damit ich nach Handzeichen die Spur wechseln kann. Und ja, dafür kann man sich als Fahrradfahrer auch mal bedanken. Es sind die Kleinigkeiten, die das Zusammenleben auf dem “Kriegsschauplatz” Innenstadt angenehmer machen.

Ich bin überzeugt, dass auch Ihr Autofahrer zu einer ähnlichen Einschätzung kommt, wenn Ihr Euren Fokus einfach mal auf die Fahrradfahrer lenkt, die sich korrekt verhalten und Euch nicht zu sehr von den rücksichtslosen Radlern ärgern lasst.

Ich will nicht, dass man bedingungslos Rücksicht auf mich nimmt, ich möchte beim Fahrrad fahren einfach nur als vollwertiger und gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer wahrgenommen werden!

Jetzt möchte ich gerne noch ein paar Situation gerade rücken, die immer wieder als Totschlag-Argument aus den Schubladen gekramt werden.

Das Märchen vom Fahrradfahrer, der niemals den Kürzeren zieht und immer auf sein Recht pocht.

Wenn wir so fahren würden, wie das manche Fahrradgegner beschreiben, dann wären wir alle längst tot. Wir haben unseren Finger immer am Bremshebel und haben die gesamte Verkehrssituation immer im Blick. Wahrscheinlich deutlich weitsichtiger als Autofahrer. Das sieht vom Auto aus immer etwas anders aus, ich weiß. Und natürlich gibt es auch Fahrradraudis, aber wir alle sind uns unserer fehlenden Knautschzone vollumfänglich bewusst.  Ja, natürlich fahren wir auch bei rot über Ampeln – Das sind dann zum Beispiel Rückstau-Ampeln oder solche an ruhigen Seitenstraßen, wo wir weder uns noch andere Verkehrsteilnehmer gefährden. Keiner von uns ist lebensmüde genug in der Rush-Hour in eine Hapuptverkehrskreuzung bei Rot reinzuhämmern.

Das Märchen mit dem abgefahrenen Außenspiegel

Hört man in Diskussionen immer wieder. Echt jetzt? Gehen wir mal davon aus, dass der durchschnittliche Außenspiegel nicht mit Spucke festgeklebt ist, mit welcher Wucht müsste ich entgegen der Einklapprichtung dagegen hämmern damit der abbricht? Wäre es nicht sehr viel wahrscheinlicher, dass ich mich volle Möhre auf die Fresse lege, wenn ich mit 20 km/h gegen einen Außenspiegel brettere? Und selbst wenn ich mich irgendwie auf dem Rad halten könnte, habe ich entweder einen gerochenen Finger oder zumindest einen geprellten Arm, denn genau auf dieser Höhe sind die Außenspiegel. Zwischen “hängenbleiben” und “abfahren” gibt es einen großen Unterschied, zumal man beim Fahrrad fahren in so einer Situation eher unter 10 km/h unterwegs ist. Aber “Heute ist ein Biker an meinem Außenspiel hängen geblieben – passiert ist nichts” klingt halt in der Kneipe bei den Kumpels nicht so spektakulär wie: “Heute hat mir so ein Arschloch Biker mit mindestens 40 Sachen den Außenspiegel abgefahren und danach hat er ein Katzenbaby überrollt”

Es geht, wie immer im Leben, um Rücksicht! So einfach kann das sein – Und damit sind beide Seiten gemeint.

Liebe Autofahrer,

Es ist nicht verboten einen nicht-benutzungspflichtigen Fahrradweg nicht zu benutzen. Das tun wir übrigens ausschließlich dann, wenn dieser in einem so fragwürdigen Zustand ist, dass es eher ein Todesstreifen als eine Fahrbahn ist und man schlicht nicht darauf Fahrrad fahren kann. Wir dürfen – nein wir sollen sogar an der Ampel nach vorne fahren. Zum einen wollen wir Eure Abgase nicht von 3 Seiten einatmen und zum anderen ist es einfach sicherer. Wir tun das nicht um vor Euch zu sein, wir verstehen sehr wohl dass ihr uns gleich wieder überholen werdet. Stellt Euer Auto nicht auf dem Fahrradweg ab, auch wenn ihr “Nur mal kurz zum Bäcker rein springt” – Genau in diesen “nur mal kurz-Moment” könnte eine Mama mit ihrem Kind vorbeikommen, die sich dann deshalb in den fließenden Verkehr einordnen muss. Schaut an Kreuzungen einfach etwas vorausschauender. Nachdem wir eine Vollbremsung hingelegt haben, ist es nicht Euer Verdienst, wenn es keinen Unfall gab – selbst wenn ihr danach auch gebremst habt und uns die Vorfahrt gewährt habt. Wir haben an dieser Stelle unser eigenes Leben gerettet. Und bitte haltet verdammt nochmal den Sicherheitsabstand ein. 1,5 Meter! Wenn es nicht reicht, dann überholt einfach nicht – Ihr würdet Euch doch auch nicht an einem anderen PKW vorbei quetschen wenn der Platz nicht reicht.

Liebe Radfahrer,

Es tut nicht weh, sich bei einem rücksichtsvollen Autofahrer einfach mal zu bedanken. Ihr müsst auch nicht in die Parklücke fahren, während ein PKW gerade rückwärts einparken will. Eure Einkäufe gehören in den Rucksack oder in Fahrradtaschen aber nicht an den Lenker. Bei Dunkelheit gehört ein Licht an Euer Bike – Keine Diskussion! Wir haben auf dem Gehweg übrigens genauso wenig zu suchen, wie Autos auf dem Fahrradweg. Wenn ihr doch mal ein Stücken über den Gehweg abkürzen müsst, dann passt Eure Geschwindigkeit wenigstens den Fußgängern an und das heißt: Schrittgeschwindigkeit. Wenn sich an der Ampel die Kolonne gerade in Bewegung setzt, müsst Ihr Euch nicht zwingend noch rechts vorbei quetschen.

Welches Fahrrad ist für die Stadt am besten?

Eine Übersicht über die großen Markenhersteller und ihr Engagement zum Thema Nachhaltigkeit, haben wir hier zusammen gestellt.
Generell gilt: In der Stadt brauchst Du ein Fahrrad mit StVO Zulassung. Das bedeutet: 2 unabhängig voneinander arbeitende Bremsen (egal ob Rücktritt oder Felgenbremse) Vorder und Rücklicht (egal ob Akkubetrieben oder per Dynamo). Reflektoren vorne und hinten, sowie Katzenaugen in den Speichen.
Schutzbleche und Ständer sind hingegen reine Geschmackssache und nicht verpflichtend. Welches Fahrrad für Dich als angehenden Fahrradpendler nun das beste ist, musst Du selbst entscheiden:

Singlespeed Bike

Für mich das ultimative Bike für die Stadt im Flachland. Ich fahre seit Sommer 2018 eines und habe heute, nach 2.500km immer noch genauso viel Spaß daran wie am ersten Tag. Wie der Name schon sagt gibt es einen einzigen Gang. Gepaart mit dem geringen Rollwiderstand von Slick-Reifen kommt man damit unglaublich entspannt und schnell durch die Stadt. Man muss im Berufsverkehr schon oft runter bremsen und anhalten. Blöd wenn man vor Ampel vergessen hat runter zu schalten und dann mit den 18. Gang losfahren muss. Kein Thema mit einem Singlespeed.
Weil so wenig dran ist, kann auch wenig kaputt gehen, das heißt man hat auch wenig Reparaturkosten. Schon für 200 Ökken bekommt man ein solides Singlespeed Bike für den Alltag. Das heißt auch, dass es jetzt auch nicht so dramatisch ist, wenn es dann doch mal geklaut wird – Denn leider muss man das in der Stadt auch immer mit einkalkulieren.
Durch das geringe Gewicht (ca. 10kg) ist es auch kein Problem das Bike mal schnell die Treppen runter zur U-bahn oder hoch ins Büro zu tragen.

Aber: Singlespeed-Bikes werden fast immer ohne Beleuchtung verkauft, die muss also noch zusätzlich einkalkuliert werden. Durch die sogenannte FlipFlop Nabe wird ganz schnell ein Fixie (also kein Leerlauf) daraus, diese sind aber für den Straßenverkehr nicht zugelassen. Gepäckträger und Ständer gibt es in der Regel nicht. Es gibt auch Modelle mit Schutzblech, das ist aber Geschmackssache.

Singlespeed Bikes bekommst Du zum Beispiel bei Pentagon-Sports.de*

Hollandrad

Das ist der Klassiker. Ich sage dazu auch gerne “Wohnzimmer auf 2 Rädern” weil die Sitzposition ist schon sehr gemütlich. Man kann leicht auf und absteigen. Die meisten Hollandräder haben Nabenschaltung mit 5 – 8 Gängen und damit auch eine Rücktrittbremse. Die City Bikes sind in der Regel StVO zugelassen also mit Licht (meistens Dynamo). Dazu haben sie immer Gepäckträger und Schutzbleche und sind damit für jedes Wetter und jede Situation ausgerüstet.

Aber: Hollandräder aus Stahl sind relativ schwer. (ca. 20-25 kg) Wer es oft die Treppen rauf und runter tragen will, sollte auf einen Rahmen aus Alu achten, aber auch die sind mit 15-17kg noch echte Brocken.

Eine tolle Auswahl Hollandräder findest Du bei Fahrrad-XXL.de*

 

Urban Bike

Das Urban Bike ist quasi die coole Version des Hollandrades. Nicht nur dass sie deutlich sportlicher aussehen, sondern auch die Rahmengeometrie  ist auf  eine sportliche Fahrweise zugeschnitten. Es gibt hier sowohl welche mit als welche ohne Schutzblech. Verkehrssicher sind sie eigentlich immer. Es gibt sie mit Ketten- als auch mit Nabenschaltung. Mit 12-15kg, sind sie deutlich leichter als Hollandräder.

Aber: Es gibt eigentlich kein Aber. Urban Bikes sind wohl die universellsten Citybikes. Haben alles, nicht zu viel, nicht zu wenig. Und liegen preislich unter 1000€. Das ist das perfekte Bike für angehende Fahrradpendler.

Urban Bikes bekommst Du bei Fahrrad-XXL.de*

 

Das Klapprad habe ich hier bewusst rausgelassen, weil es für mich eher in die Kategorie “Letzte Meile Mobilität” zählt als zum klassischen Fahrrad fahren. Hierzu kommt noch ein separater Artikel.

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Ob Fahrrad fahren auf dem E-Bike nachhaltig ist, haben wir hier beleuchtet.

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