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Der Fahrradpendler | Meine Erfahrung im Berliner Berufsverkehr

Als Fahrradpendler im Berufsverkehr ist man nicht nur CO₂-neutral unterwegs, man hält sich auch fit, hat Spaß und spart eine Menge Geld. Dazu gibt es dann eine große Portion Nervenkitzel, aber Fahrrad fahren ist auch lange nicht so gefährlich wie viele tun. Ich möchte Euch von meinen Erfahrungen als Fahrradpendler berichten, ein paar Bikes vorstellen und vor allem eine Grundausstattung im Wert einer Tankfüllung zusammenstellen.

Als Fahrradpendler genieße ich meine Freiheit!

Natürlich könnte ich mir ein Auto leisten – ich will aber einfach nicht. Ich brauche es nicht. Zwar ernte ich immer wieder erstaunte Blicke, wenn ich erwähne, dass ich alles mit dem Fahrrad erledige, aber die eingesparten Kosten, die eingesparte Zeit, den höheren Fitnessgrad zahlen sich einfach aus. Erst neulich bin ich für einen Geschäftstermin von Zehlendorf nach Prenzlauer Berg gefahren. 1 Stunde habe ich gebraucht, das waren ca. 20 Kilometer. Mein Kollege ist mit dem Auto gleichzeitig losgefahren und war gleichzeitig mit mir am Ziel. Nur musste ich dort keinen Parkplatz mehr suchen. Damit gehöre ich sicher zu den ambitionierten Fahrradfahrern.

Aber egal wie –  Die Vorteile überwiegen immer: Kostenersparnis, frische Luft, tägliche Bewegung, schneller am Ziel. Dieses Hochgefühl, wenn ich als Fahrradpendler im Feierabendverkehr auf dem Kudamm auf meiner Busspur mit 30 km/h an den Stop-and-Go-Verlierern vorbeirausche, fühlt sich schon verdammt gut an. Und ja, die Busspur ist für Busse, Taxen, Krankenwagen UND Fahrräder.

30% aller Autofahrten könnten durch das Fahrrad erstetzt werden (Quelle: Umweltbundesamt)

Jetzt muss man nicht gleich täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit pendeln. Man kann auch erst mal damit anfangen, Kurzstrecken mit dem Bike zu erledigen. Die Fahrt zum Bäcker, zum Supermarkt, zum Friseur, zum Arzt. Fang einfach an, steig mal auf den Drahtesel und ersetze ein paar Deiner Autofahrten. Gut für die Umwelt und gut für Dich.

Fahrradpendler aus Überzeugung: egal ob Eiseskälte oder Affenhitze

Mein Alltag als Fahrradpendler begann im Februar 2018 bei -10 Grad. Die U3 war wegen Bauarbeiten 2 Wochen gesperrt und ich hatte keine Lust auf Schienenersatzverkehr. Jetzt fahre ich generell gerne und viel Rad und war auch vorher schon in der Freizeit der Meinung „Die Saison beginnt am 1.1. und endet traditionell am 31.12.“ Also kostete es mich keine Überwindung, mich auch bei Minusgraden auf den Sattel zu schwingen. Nach 2 Wochen fuhr die U-Bahn wieder, aber ich wollte nicht mehr umsteigen, es fühlte sich wie ein Rückschritt an – Also blieb ich Fahrradpendler: 10 Kilometer morgens und 10 Kilometer abends.

Morgens kam ich gut gelaunt im Büro an und abends auf dem Heimweg habe ich mir den Kopf frei geblasen. Mein Stoffwechsel wurde vom stotternden Motor zur präzise surrenden Hochleistungsmaschine. Ich wurde fitter und fitter. Dann kam die Hitzewelle und ich merkte schnell, dass Fahrtwind die beste Klimaanlage ist. Im Sommer habe ich mir dann ein Singlespeed-Bike zugelegt. Seit über einem Jahr bin ich jetzt Fahrradpendler und trotz aller Horrorgeschichten und einer mangelhaften Infrastruktur: Ich lebe noch!

Meine Klima-Bilanz

  • Ich habe 837 kg CO₂ pro Jahr eingespart – in 4 Jahren macht das 3.348 kg CO₂ Ersparnis gegenüber dem Auto.
    Das entspricht 14.496 km mit dem Flugzeug. (Rechner: co2online.de)
  • Laut Spritpreisrechner habe ich in dem Zeitraum (4.500 km jährlich,  7 Liter Verbrauch, 1,50 € Spritpreis) 4.500 Euro gespart. Inkl. laufender Kosten. Da ich gar kein Auto besitze spare ich mir natürlich auch Steuer, Versicherung und Inspektion. Bei den aktuellen Preisen ist die Ersparnis deutlich höher.

Fahrradfahrer vs. Autofahrer: Der Krieg, den es eigentlich nicht gibt

Wenn man einen Blick in die Diskussionen auf Facebook wirft, dann könnte man meinen, die Stimmung auf innerstädtischen Straßen ist toxisch. Es ist ein Scheinkrieg, genauso wie Veganer gegen Fleischesser. Da kochen die Gemüter so hoch, als hätte jemand einen Salat aus Baby-Seehundeaugen gekocht.

99 % aller Fahrradfahrer sind Verkehrsrowdys, halten sich an keine einzige Verkehrsregel und sind eine Bedrohung für die Allgemeinheit
99 % aller Autofahrer sind rücksichtslos – Sie verstehen ihr Auto als Waffe und Statussymbol sehen und sehen sich als die „Stärkeren“ immer im Recht.

Kennste, oder?
Tatsächlich entscheidet ja nicht die Anzahl der Räder, ob der Fahrer eine Arschgeige ist oder nicht, sondern die Arschgeige an sich. Fahrrad fahren allein macht niemanden zum Idioten!

Ich kenne beide Seiten.
Als Fahrradpendler bin ich täglich ca. 20 Kilometer auf der Straße und mir begegnen Autofahrer, die denken 30 cm wäre ein ausreichender Sicherheitsabstand, die ohne zu schauen rechts abbiegen und mich zu einer Vollbremsung nötigen. Ich sehe auf Fahrradwegen geparkte Autos, von der Seitenstraße schießende Autos, denen es irgendwie gelingt durch mich durchzuschauen – trotz Licht und Leuchtfarben-Klamotten.

Aber mir begegnen auch Fahrradfahrer, die ohne Beleuchtung, ohne auf das Umfeld zu achten, durch den Verkehr kurven. Die sich rechts an einer gerade anfahrenden Autokolonne vorbeiquetschen, die über Zebrastreifen rauschen und zwischen Fußgängern auf Gehwegen Slalom fahren. Ich sehe auch Radfahrer mit Beuteln am Lenker in Schlangenlinien bei Rot in eine Kreuzung fahren und ich erkenne, was diese Menschen für eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer darstellen.

Meine Erfahrung als Fahrradpendler sieht so aus:

Vielleicht 10 % der Autofahrer verhalten sich mir gegenüber rücksichtslos. Ja, es gibt die Momente, wo ich an die oben genannten 99 % glaube, sobald sich mein Blutdruck aber wieder gesenkt hat, sehe ich die vielen anderen Autofahrer, die sich korrekt und manchmal sogar zuvorkommend verhalten.

Man bemerkt ja diejenigen, die sich an alle Regeln halten, oft gar nicht. Und so soll es sein. Dann gibt es Autofahrer, die beim Einfädeln auf dem Radweg stehen, sich winkend entschuldigen, wenn sie mich sehen oder sogar wieder etwas zurücksetzen.  Geschenkt – Da muss ich mich nicht drüber aufregen. Es gibt die Autofahrer, die beim rechts abbiegen aufpassen, manchmal mehr als nötig. Und es gibt auch die Autofahrer, die eine Lücke lassen, damit ich nach Handzeichen die Spur wechseln kann. Und ja, dafür kann man sich als Fahrradfahrer auch mal bedanken. Es sind die Kleinigkeiten, die das Zusammenleben auf dem „Kriegsschauplatz“ Innenstadt angenehmer machen.

Ich bin überzeugt, dass auch Ihr Autofahrer zu einer ähnlichen Einschätzung kommt, wenn Ihr Euren Fokus einfach mal auf die Fahrradfahrer lenkt, die sich korrekt verhalten und Euch nicht zu sehr von den rücksichtslosen Radlern ärgern lasst.

Ich will nicht, dass man bedingungslos Rücksicht auf mich nimmt, ich möchte beim Fahrradfahren einfach nur als vollwertiger und gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer wahrgenommen werden!

Die Grundausstattung für Fahrradpendler

Neben dem Fahrrad braucht es erst mal nicht zwingend weiteres Zubehör. Dennoch gibt es einige Dinge, die einem das Leben leichter machen. Natürlich kannst Du Dir auch eine Vollausstattung samt gepolsterter Radhose, atmungsaktivem Shirt und Fahrradschuhen zulegen, aber für den täglichen Weg zur Arbeit brauchst Du das nicht unbedingt.

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Regenjacke

Wenn Du wirklich jeden Tag aufs Bike steigst, egal, wie das Wetter ist,  lohnt sich sicher eine wasserdichte Outdoorjacke – Die ersetzt dann auch gleich Winter und Übergangsjacke. Die kann auch gerne mal eine Stange Geld kosten. Ich habe eine 3 in 1 Jacke von Jack Wolfskin* die ist winddicht, wasserdicht und warm genug um bei Bewegung auf dem Bike nicht zu frieren, schlägt aber mit 200 € zu Buche. Die kostengünstige Alternative ist ein Regenüberzug. Der passt in jede Tasche – schließlich weiß man oft morgens nicht, wie das Wetter beim Nachhauseweg wird. Kostenpunkt: ab 30 € (zum Beispiel bei Tchibo aus recyceltem Plastik*)

Regenhose

Kann man auch immer dabei haben. Schnell drüberziehen und trocken ankommen. Auch hier gibt es große Preisunterschiede. Ich mag die Version mit integriertem Schuhschutz, weil ich ja nicht immer Wechselschuhe dabei habe. Wir empfehlen hier diese Regenhose von Decathlon im ecodesign für 19,95 €* (also aus recyceltem Plastik).
Deutlich teurere Modelle von beispielsweise Vaude haben leider keinen Schuhschutz.

Mehr über nachhaltige Outdoormarken, findest Du hier. Und um nachhaltige Sportmode kümmern wir uns in diesem Artikel.

Fahrradschloss

Je nachdem wie teuer Dein Fahrrad ist, sollte auch das Fahrradschloss entsprechend sicher sein. Hier gibt es von „Geschenkbändchen für Diebe“ bis hin zum App gesteuerten, Titanverstärkten Bügelschloss alles. Es hängt natürlich auch davon ab, wo Dein Bike überhaupt steht. Faustregel: Ein Schloss sollte 10 % des Fahrrades kosten. Ich persönlich mag Bügelschlösser am liebsten, nicht nur, weil es die sichersten sind, sondern auch weil nichts herum wackelt und klappert.  Die Kollegen vom Fahrradmagazin haben einige Schlösser getestet. Eine große Auswahl an allen möglichen Schlössern findest Du auf Bike-Components.de*

Fahrradtasche

Rucksack geht natürlich immer, aber gerade, wenn es wärmer wird ist es schon schön, wenn man nicht mit klatschnassem Rücken ankommt. Denn egal, wie gut ein Rucksack am Rücken belüftet ist,  man schwitzt immer. Eine Fahrradtasche für den Gepäckträger ist also eine gute Investition. Ich besitze diese Kombi aus Schulter und Satteltasche*. Ortlieb ist generell meine erste Wahl.

Man mag vielleicht schlucken, wenn man die Preise sieht – aber Ortlieb Taschen kauft man genau einmal, die Dinger halten ewig und sind bis ins kleinste Detail durchdacht. Da beginnt damit, dass alle Produkte wasserdicht sind und geht bis zu kleinen mitgelieferten Plastikringen, wenn die Gepäckträgerstange zu dünn ist.  Die Aufhängung ist schräg und kann leicht umgestellt werden – je nachdem ob man sie rechts oder links tagen will. Fehlt diese Schrägstellung kann es gut sein, dass Du mit der Ferse bei jedem Tritt anstößt.

Optionale Grundausstattung

Wer regelmäßig fährt, braucht auch hier ein paar kleine Helfer, denn – und auch das gehört zur Wahrheit: Früher oder später kommt die erste Panne.

Kettenschmiermittel

Wer seine Kette regelmäßig pflegt und schmiert, sorgt dafür, dass sich Zahnräder nicht so schnell abnutzen. Außerdem tritt sich eine frisch geölte Kette leichter. Ich habe kürzlich bei einem Kollegen die Kette gewechselt – Die alte hat ihr letztes Öl wohl in der Fabrikhalle gesehen – Die hatte nicht 114 Glieder, das waren 4 und man hätte damit auch zum Speerwurf ansetzen können.

Ich bevorzuge Kettenwachs – konkret das von Squirt, ein biologisches Kettenwachs, das unglaublich ergiebig ist – ein 120 ml Fläschchen (bei bike-components.de für 11,99 €*)  hält bei mir weit über ein Jahr (bei täglich 20 km Fahrt). Der große Vorteil von diesem Kettenwachs ist, dass man ich die Finger nicht dreckig macht und kein feiner Schmutz daran haften bleibt – Mit einem trockenen Lappen Straßendreck entfernen – neues Wachs drauf, fertig. Eine saubere Sache.

Schlauch, Flickzeug, Multitool

Ein Platten gehört zum Fahrradfahren dazu. Ich habe immer einen Reserveschlauch dabei und ein weitere liegt im Büro.  Ein Schlauchwechsel geht in wenigen Minuten. Natürlich ist es sinnvoll nicht jedes Mal einen neuen aufzuziehen, sondern den alten zu flicken. Ein kaputter Schlauch gehört übrigens weder in den Restmüll noch in den Gelben Sack. Schwalbe hat ein Recyclingprogramm (egal von welchem Hersteller der Schlauch ist) nahezu jeder Fahrradhändler ist da angeschlossen und nimmt Deine alten Schläuche entgegen.

Ein Multitool ist ebenso eine tolle Investition. Wie ein Schweizer Taschenmesser hast Du hier alles dabei, was Du brauchst. Ich habe dieses von Topeak für 20 € – Verschiedene Schraubendreher – Inbus Schlüssel bis hin zum Ketten-Nieter und Speichenschlüssel. Besonders clever: die Außenteile sind Reifenheber.

 

Welches Fahrrad ist für die Stadt am besten?

Eine Übersicht über die großen Markenhersteller und ihr Engagement zum Thema Nachhaltigkeit haben wir hier zusammen gestellt.
Generell gilt: In der Stadt brauchst Du ein Fahrrad mit StVO Zulassung. Das bedeutet: 2 unabhängig voneinander arbeitende Bremsen (egal ob Rücktritt oder Felgenbremse) Vorder- und Rücklicht (egal ob Akkubetrieben oder per Dynamo). Reflektoren vorne und hinten, sowie Katzenaugen in den Speichen*
Schutzbleche und Ständer sind hingegen reine Geschmackssache und nicht verpflichtend. Welches Fahrrad für Dich als angehenden Fahrradpendler nun das Beste ist, musst Du selbst entscheiden:

Singlespeed Bike

Für mich das ultimative Bike für die Stadt im Flachland. Ich fahre seit Sommer 2018 eines und habe heute, nach 2.500 km immer noch genauso viel Spaß daran wie am ersten Tag. Wie der Name schon sagt, gibt es einen einzigen Gang. Gepaart mit dem geringen Rollwiderstand von Slick-Reifen kommt man damit unglaublich entspannt und schnell durch die Stadt. Man muss im Berufsverkehr schon oft runterbremsen und anhalten. Blöd, wenn man vor Ampel vergessen hat runterzuschalten und dann mit den 18. Gang losfahren muss. Kein Thema mit einem Singlespeed.

Weil so wenig dran ist, kann auch wenig kaputtgehen, das heißt man hat auch wenig Reparaturkosten. Schon für 200 Ökken bekommt man ein solides Singlespeed Bike für den Alltag. Das heißt auch, dass es jetzt nicht so dramatisch ist, wenn es dann doch mal geklaut wird – Denn leider muss man das in der Stadt auch immer mit einkalkulieren.
Durch das geringe Gewicht (ca. 10 kg) ist es auch kein Problem, das Bike mal schnell die Treppen runter zur U-bahn oder hoch ins Büro zu tragen.

Aber: Singlespeed-Bikes werden fast immer ohne Beleuchtung verkauft, die muss also noch zusätzlich einkalkuliert werden. Durch die sogenannte Flipflop Nabe wird ganz schnell ein Fixie (also kein Leerlauf) daraus, diese sind aber für den Straßenverkehr nicht zugelassen. Gepäckträger und Ständer gibt es in der Regel nicht. Es gibt auch Modelle mit Schutzblech, das ist aber Geschmackssache.

Singlespeed Bikes bekommst Du zum Beispiel bei Pentagon-Sports.de*

Hollandrad

Das ist der Klassiker. Ich sage dazu auch gerne „Wohnzimmer auf 2 Rädern“ weil die Sitzposition ist schon sehr gemütlich. Man kann leicht auf und absteigen. Die meisten Hollandräder haben Nabenschaltung mit 5 – 8 Gängen und damit auch eine Rücktrittbremse. Die City Bikes sind in der Regel StVO zugelassen, also mit Licht (meistens Dynamo). Dazu haben sie immer Gepäckträger und Schutzbleche und sind damit für jedes Wetter und jede Situation ausgerüstet.

Aber: Hollandräder aus Stahl sind relativ schwer. (ca. 20-25 kg) wer es oft die Treppen rauf und runter tragen will, sollte auf einen Rahmen aus Alu achten, aber auch die sind mit 15-17 kg noch echte Brocken.

Hollandräder bei radwelt-shop.de*

 

Urban Bike

Das Urban Bike ist gewissermaßen die coole Version des Hollandrades. Nicht nur, dass sie deutlich sportlicher aussehen, sondern auch die Rahmengeometrie  ist auf  eine sportliche Fahrweise zugeschnitten. Es gibt hier sowohl welche mit als welche ohne Schutzblech. Verkehrssicher sind sie eigentlich immer. Es gibt sie mit Ketten- als auch mit Nabenschaltung. Mit 12-15 kg sind sie deutlich leichter als Hollandräder.

Aber: Es gibt eigentlich kein Aber. Urban Bikes sind wohl die universellsten City Bikes. Haben alles, nicht zu viel, nicht zu wenig. Und liegen preislich unter 1000 €. Das ist das perfekte Bike für angehende Fahrradpendler.

Urban Bikes bei Lucky Bike*

E-Bike

Es ist der aktuelle Biketrend. Wir haben uns in diesem Artikel mit der Ökobilanz von E-Bikes beschäftigt. Wer durch ein E-Bike sein Auto ersetzt, ist deutlich nachhaltiger unterwegs als mit dem Blechpanzer. Beim Design werden die E-Bikes immer schlanker, so wie auch die Modelle von Geero* aus Österreich. Der Akku ist herausnehmbar und kann damit im heimischen Wohnzimmer aufgeladen werden. Die Alternative zum Neukauf sind gebrauchte E-Bikes. Auch hier gibt es mittlerweile einige Anbieter, die die Bikes generalüberholen, warten und wieder verkaufen, so wie wir das auch bei Refurbished IT kennen. Wir empfehlen Greenstorm*

 

 

Abschließend möchte ich gerne noch ein paar Situationen gerade rücken, die immer wieder als Totschlag-Argument aus den Schubladen gekramt werden und an Autofahrer und Biker appellieren.

Das Märchen vom Fahrradfahrer, der niemals den Kürzeren zieht und immer auf sein Recht pocht.

Wenn wir so fahren würden, wie das manche Fahrradgegner beschreiben, dann wären wir alle längst tot. Wir haben unseren Finger immer am Bremshebel und haben die gesamte Verkehrssituation immer im Blick. Wahrscheinlich deutlich weitsichtiger als Autofahrer. Das sieht vom Auto aus immer etwas anders aus, ich weiß. Und natürlich gibt es auch Fahrrad-Rowdys, aber wir alle sind uns unserer fehlenden Knautschzone vollumfänglich bewusst.

Ja, natürlich fahren wir auch bei Rot über Ampeln – Das sind dann zum Beispiel Rückstau-Ampeln oder solche an ruhigen Seitenstraßen, wo wir weder uns noch andere Verkehrsteilnehmer gefährden. Keiner von uns ist lebensmüde genug in der Rushhour in eine Hauptverkehrskreuzung bei Rot reinzuhämmern.

Das Märchen mit dem abgefahrenen Außenspiegel

Hört man in Diskussionen immer wieder. Echt jetzt? Gehen wir mal davon aus, dass der durchschnittliche Außenspiegel nicht mit Spucke festgeklebt ist, mit welcher Wucht müsste ich entgegen der Einklapprichtung dagegen hämmern damit der abbricht? Wäre es nicht sehr viel wahrscheinlicher, dass ich mich volle Möhre auf die Fresse lege, wenn ich mit 20 km/h gegen einen Außenspiegel brettere?

Und selbst wenn ich mich irgendwie auf dem Rad halten könnte, habe ich entweder einen gebrochenen Finger oder zumindest einen geprellten Arm, denn genau auf dieser Höhe sind die Außenspiegel. Zwischen „hängen bleiben“ und „abfahren“ gibt es einen großen Unterschied, zumal man beim Fahrradfahren in so einer Situation eher unter 10 km/h unterwegs ist. Aber „Heute ist ein Biker an meinem Außenspiel hängen geblieben – passiert ist nichts“ klingt halt in der Kneipe bei den Kumpels nicht so spektakulär wie: „Heute hat mir so ein Arschloch Biker mit mindestens 40 Sachen den Außenspiegel abgefahren und danach hat er ein Katzenbaby überrollt“

Es geht, wie immer im Leben, um Rücksicht! So einfach kann das sein – Und damit sind beide Seiten gemeint.

Liebe Autofahrer,

es ist nicht verboten, einen nicht-benutzungspflichtigen Fahrradweg nicht zu benutzen. Das tun wir übrigens ausschließlich dann, wenn dieser in einem so fragwürdigen Zustand ist, dass es eher ein Todesstreifen als eine Fahrbahn ist und man schlicht nicht darauf Fahrrad fahren kann.

Wir dürfen – nein wir sollen sogar an der Ampel nach vorne fahren. Zum einen möchten wir Eure Abgase nicht von 3 Seiten einatmen und zum anderen ist es einfach sicherer. Wir tun das nicht, um vor Euch zu sein, wir verstehen sehr wohl, dass ihr uns gleich wieder überholen werdet.

Stellt Euer Auto nicht auf dem Fahrradweg ab, auch wenn ihr „Nur mal kurz zum Bäcker reinspringt“ – Genau in diesen „nur mal kurz-Moment“ könnte eine Mama mit ihrem Kind vorbeikommen, die sich dann deshalb in den fließenden Verkehr einordnen muss.

Schaut an Kreuzungen einfach etwas vorausschauender. Nachdem wir eine Vollbremsung hingelegt haben, ist es nicht Euer Verdienst, wenn es keinen Unfall gab – selbst wenn ihr danach auch gebremst habt und uns die Vorfahrt gewährt habt. Wir haben an dieser Stelle unser eigenes Leben gerettet.

Und bitte haltet, verdammt noch mal den Sicherheitsabstand ein. 1,5 Meter! Wenn es nicht reicht, dann überholt einfach nicht – Ihr würdet Euch doch auch nicht an einem anderen Pkw vorbeiquetschen, wenn der Platz nicht reicht. Ich kenne Antworten von Autofahrern im Stil „man kommt ja nicht anders vorbei“  – Das mag sein, aber es gibt dann nur ein korrektes Verhalten: Nicht überholen.

Liebe Radfahrer,

es tut nicht weh, sich bei einem rücksichtsvollen Autofahrer einfach mal zu bedanken.

Ihr müsst auch nicht in die Parklücke fahren, während ein Pkw gerade rückwärts einparken will.

Eure Einkäufe gehören in den Rucksack oder in Fahrradtaschen, aber nicht an den Lenker.

Bei Dunkelheit gehört ein Licht an Euer Bike – Keine Diskussion!

Wir haben auf dem Gehweg übrigens genauso wenig zu suchen, wie Autos auf dem Fahrradweg. Wenn ihr doch mal ein Stück über den Gehweg abkürzen müsst, dann passt Eure Geschwindigkeit wenigstens den Fußgängern an und das heißt: Schrittgeschwindigkeit.

Wenn sich an der Ampel die Kolonne gerade in Bewegung setzt, müsst Ihr Euch nicht zwingend noch rechts vorbeiquetschen.

 

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4 Gedanken zu „Der Fahrradpendler | Meine Erfahrung im Berliner Berufsverkehr“

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  2. Hallo Fahrradpendler. Eine Frage zur Klimabilanz: Ist da Dein Treibstoff eingerechnet? Beim Radfahren ist ja der Mensch der Motor (mit schlechtem Wirkungsgrad), die Energie wird über die Ernährung zugeführt, das Nahrungsmittel hat eine CO2-Bilanz. Je nach Art und Weise der Ernährung, fällt die CO2-Bilanz gar nicht so toll aus… Beste Grüsse vom Fahrradpendler.ch

    1. Hallo Matthias,

      das ist natürlich nur der Sprit. Quelle ist ja verlinkt.
      Ich halte die Anrechnung der Ernährung für falsch. Bei 20 km täglich nehme ich nicht wirklich mehr Nahrung zu mir, als jemand er nicht zur Arbeit radelt. Laut Strava liege ich damit pro Tag bei knapp 400 Kalorien. Als Schreibtischtäter mit veganen und überwiegend regional/saisonalen Ernährung ist das zu vernachlässigen. Bei größeren Strecken mag das eine Rolle spielen. aber bei so einer Kurzstrecke nicht.

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