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Nachhaltige Versicherung | So fairsicherst Du Dich grün

Sich mit Versicherungsfragen zu beschäftigen ist ungefähr so sexy wie eine Bundestagsdebatte in der Sommerpause. Aber was sein muss – muss sein. Eine nachhaltige Versicherung zu finden, ist nicht nur vernünftig, sondern einfach eine gute Sache. Warum das so ist, wie Du aktiv werden kannst oder ob Deine Versicherung vielleicht sogar schon auf dem richtigen Weg ist, verraten wir Dir in diesem Artikel.

Anmerkung: Wir sind keine Versicherungsexperten. Dieser Artikel soll lediglich Denkanstöße geben und ersetzt kein Beratungsgespräch

Nachhaltige Versicherung

Was macht mein Geld eigentlich, wenn ich nicht hinschaue? Bei der Wahl der Bank wird diese Frage schon häufiger gestellt. (Die Tomorrow Bank haben wir hier bereits vorgestellt) Aber auch bei Versicherungen nimmt das Thema Fahrt auf. 46 % aller Deutschen können sich den Abschluss einer nachhaltigen Versicherung vorstellen.
So erfreulich dieser Trend ist, so schwierig ist auch die Beantwortung der Frage, was eine nachhaltige Versicherung ausmacht. Auch Versicherungen arbeiten natürlich mit Deinem Geld. Und damit ist es möglich, dass Deine Versicherungsbeiträge zum Beispiel für Kohle, Rüstung, Öl oder Massentierhaltung angelegt werden.

Es wäre schade, wenn Du zwar selbst Ökostrom beziehst, Deine Rente aber beispielsweise durch den Bau von Kohlekraftwerken abgesichert wird. Ebenso kann es natürlich sein, dass Du als Veganer unbemerkt Massentierhaltung unterstützt. Vielleicht finanzierst Du sogar Rüstungskonzerne. All das ist mit einem nachhaltigen Lebensstil nicht zu vereinbaren und genau deshalb ist es wichtig, dass Du Dich um eine nachhaltige Versicherung kümmerst, damit Dein Geld auch die Unternehmen fördert, die sich um Mensch und Umwelt kümmern.

Geld regiert die Welt

Geldanlagen sind ein großer Hebel, der viel erreichen kann. Das betrifft nationale wie internationale Projekte. Stell Dir vor, es fließen nur noch Gelder in klimafreundliche, nachhaltige Projekte, dafür kommen Umweltverschmutzer dann schwerer an Geld. Besonders wenn wir mal über unsere Landesgrenzen hinweg schauen – Wäre es nicht beruhigend zu wissen, dass irgendwo in Afrika Kredite für erneuerbare Energien vergeben werden, nicht aber für Kohlekraftwerke? Dann hätten umweltschädliche Technologien einen massiven Wettbewerbsnachteil. Das ist jetzt natürlich sehr vereinfacht ausgedrückt. Aber wie wichtig das Thema „nachhaltige Investments“ für viele Brachen ist, haben wir kürzlich erleben müssen, als Lobbyisten durchgesetzt haben, dass Gas und Kernkraft von der EU als nachhaltig eingestuft werden. Da sieht wohl jemand seine Felle wegschwimmen.

Was macht eine nachhaltige Versicherung aus?

  • Das Geld wird entsprechend der ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) investiert (mehr Informationen dazu auf handelsblatt.com). Übrigens: Nur weil Atomkraft jetzt den ESG-Kriterien entspricht, heißt das noch lange, nicht, dass Fonds, die sich daran orientieren, auch automatisch Kernkraft-Investments in ihr Portfolio aufnehmen. Das bedeutet für Dich: nachfragen!
  • Es gibt eine klare und verbindliche Vision in diese Richtung (Nachhaltigkeitsstrategie)
  • Das Unternehmen bekennt sich klar zu Umweltschutz. Das beinhaltet etwa Bereiche, wie Ökostrom, Umgang mit Ressourcen, Abfallvermeidung, Recycling. Nicht nur bei den Investments, sondern generell – Auch Verwaltungsgebäude und Infrastruktur sollten nachhaltig ausgerichtet sein.
  • Soziales Engagement ist das Sahnehäubchen. Es ist immer wünschenswert, wenn sich Unternehmen sozial einbringen.

Hat die Versicherungsbranche wirklich Nachhaltigkeit für sich erkannt?

Du hast sicher schon bemerkt, dass wir hier nicht blind auf Versicherer einprügeln. Wir möchten der Versicherungsbranche nämlich gar nicht den schwarzen Peter zuschieben. Bisher waren für uns Kunden eine möglichst hohe Rendite und Garantien die einzigen Kriterien. Versicherungsunternehmen haben dann so investiert, um genau das zu liefern. Ganz normales wirtschaften eben. Die Zeiten haben sich geändert, Verbraucher hinterfragen, der gesellschaftliche und politische Konsens ist eindeutig  – und das hat die Branche in Teilen auch schon verstanden.

Der Hebel wäre gigantisch! Aktuell verwalten deutsche Versicherer 1.700 Milliarden Euro und diese sollen bis 2050 klimaneutral angelegt werden (Quelle: gdv.de) Stell Dir vor, wenn diese kaum vorstellbare Summe nur noch in klimafreundliche Technologien fließt. Das Problem: Die Zahl 2050, der GDV nennt es „ambitioniert“, wir würden es eher „zurückhaltend“ nennen. Klar kann man laufende Kredite nicht einfach mal von heute auf morgen aufkündigen – das sind langfristige Verträge. Aber ein paar Meilensteine erwarten wir schon, um ernstes Engagement zu erkennen. Das einzige Etappenziel ist, dass bis 2025 die Bürogebäude klimaneutral sind – Also bitte…. Wir sprechen hier von Bürogebäuden, nicht von Schwerindustrie.

Aber jetzt muss man fairerweise auch sagen, dass der GDV eben ein Branchenverband ist und nur die Rahmenbedingungen festlegen kann. Die Umsetzung liegt bei den einzelnen Versicherern.

Wenn man sich einzelne Nachhaltigkeitsstrategien mal genauer anschaut, fällt auf, dass die Versicherer zwar verstärkt auf ihr soziales Engagement hinweisen und den fairen Umgang mit ihren Mitarbeitern hervorheben. Auch Umweltthemen wie Ökostrom, Recyclingpapier und Dinge, die das „normale“ Arbeiten grüner machen, werden gerne stolz präsentiert. Das sind zwar alles schöne Entwicklungen, aber ein konkretes Statement, in welche Industrien und Branchen investiert wird, sucht man oft vergeblich.

Der Fair Finance Guide zeichnet hier ebenfalls ein recht düsteres Bild.

Wir sind uns noch nicht sicher, ob die Branche wirklich die Notwendigkeit von Nachhaltigkeit erkannt hat oder eher lediglich die Notwendigkeit dem Kunden etwas zu erzählen. Die nächsten Monate werden zeigen, in welche Richtung sich die Branche tatsächlich entwickelt.

Soll ich zu einer nachhaltigen Versicherung wechseln?

Leider gibt es hier keine einfache Antwort. Wir können Dir hier auch nur Denkanstöße geben, aber wir sind keine Versicherungsexperten! Es geht um „hinterfragen und abwägen“. Ein erster Schritt sollte daher ein Blick in die Nachhaltigkeitsstrategie Deiner Versicherung sein. Der deutsche Nachhaltigkeitsindex ist ein weiterer guter Anhaltspunkt, hier kannst Du nachschauen, ob Dein Versicherungsunternehmen offiziell berichtet.

Vertrauen entsteht im Bauch: Sprich doch erst mal mit Deinem Berater

Auch eine nachhaltige Versicherung ist nichts wert, wenn sie nicht zu Dir passt. Das Image von Versicherungsmakler*Innen ist nicht gerade cremig – Ein Treffen mit ihnen ist oft genauso beliebt wie eine Wurzelbehandlung, aber neben den „schwarzen Schafen“, die es zweifellos gibt, machen viele doch einen guten Job – Hör auf Deinen Bauch!

Auch mich beschäftigt das Thema. Jetzt bin ich in einem Alter, in dem ein Wechsel der Versicherung nicht unbedingt die beste Entscheidung wäre. Zumal man im Laufe seines Lebens bereits einiges mit seiner Versicherung erlebt hat. Diese Erlebnisse waren bei mir ausnahmslos positiv. Ich habe aber auch das Glück, dass ich meinem Berater von der Deutschen Vermögensberatung vollends vertrauen kann. Er hat mich sicher durch sehr stürmische Zeiten manövriert und wird immer mein erster Ansprechpartner bleiben, also habe ich ihn direkt gefragt.

Zwar ist die Generali (noch) keine nachhaltige Versicherung, aber die Vision ist klar und der Konzern hat deutlich mehr als nur warme Worte und ein paar wackelige Schritte auf dem Gebiet der grünen Kapitalanlagen gemacht. 9,5 Mrd. Euro will der Konzern bis 2024 in nachhaltige Investments stecken. Laut Corporate Knights zählte Generali 2020 zu den 100 nachhaltigsten Unternehmen der Welt. Leider wurden sie mittlerweile überholt und sind 2022 nicht mehr in der Liste zu finden.

Wie schwer eine Bewertung generell ist, dass Corporate Knights unter anderem auch die Allianz in den Top 100 sieht – Bei Facing Finance fallen sie hingegen krachend durch und zeigt, wie wichtig ein neutrales, glaubwürdiges Label ist. Deshalb sagen wir: Höre Dir an, wie die Vision Deiner Versicherung ist und entscheide, ob Dir das gefällt.

Über Corporate Knights: Das kanadische Unternehmen setzt sich für sauberen Kapitalismus ein. Als Corporate B Certified Unternehmen berät es Finanzkonzerne bei ihren Nachhaltigkeitsstrategien und führt Marktforschungen durch – Das bekannteste Ergebnis der Arbeit ist die jährliche Liste der 100 nachhaltigsten Unternehmen.

3 nachhaltige Versicherungen, die direkt alles anders machen

Es gibt aber auch Versicherungsunternehmen, die direkt zu 100 % auf Nachhaltigkeit setzen. Wenn Du also wechseln willst, oder ohnehin Deine erste Versicherung abschließt, empfehlen wir Dir folgende nachhaltige Versicherungen:

ver.de

Zwar hat ver.de bis jetzt erst eine einzige Versicherung im Portfolio (Fahrradversicherung), aber der Fokus der Genossenschaft ist es, Dir öko-faire Finanzberater*innen zu vermitteln. Dazu machst Du für einmalig 45,-€ einen Finanzcheck. Nachdem Du einen Fragebogen ausgefüllt hast, folgt ein ca. 45-minütiges unverbindliches Telefongespräch mit einem*einer ver.de Mitarbeiter*in. In diesem Gespräch geht es um Dich: Was Du brauchst, suchst, willst, planst… Danach wirst Du an einen*eine Finanzberater*in vermittelt.
Das ist ein guter Weg für den Einstieg, wenn Du noch niemanden bei Versicherern kennst und Dich grundlegend nachhaltig versichern willst.

ver.de*

pangaea life

Hinter der nachhaltigen Versicherung Pangaea Life steckt die Bayerische. Kfz, Haftpflicht, Hausrat-Versicherung kannst Du hier abschließen. Aber auch Rentenversicherungen und Geldanlagen findest Du bei Pangea Life. Nachhaltigkeit und Transparenz werden großgeschrieben. Bereits 2017 hat das Unternehmen die Prinzipien für verantwortungsvolles Investieren der Vereinten Nationen (UNPRI) unterzeichnet. Die Pangaea Life Fonds investieren ausschließlich in erneuerbare Energien (Wind, Photovoltaik, Wasser) und nachhaltige Wohnimmobilien in Europas Metropolen.

Besonders gut gefällt uns, dass das Unternehmen angibt, bis 2027 komplett klimaneutral zu agieren und solange die anfallenden CO₂-Emissionen kompensiert. Ein Wörtchen mit großer Bedeutung. Viele Unternehmen kompensieren CO₂ und deklarieren sich damit als klimaneutral – aber es ist ein großer Unterschied, zwischen „Emissionen nicht zu erzeugen“ und „bereits angefallene zu kompensieren“. Das zeigt klar, wie ernst es das Unternehmen mit dem Transparenzversprechen nimmt.

Zusätzlich pflanzt die Bayerische mit WeForest Bäume – unter anderem in Deutschland.

Alles in allem bekennt sich Pangaea Life kompromisslos zu einer nachhaltigen Zukunft.

pangaea-life.de*

FIBUR

Die FIBUR GmbH aus Berlin ist nicht nur Gemeinwohl Ökonomie bilanziertes Unternehmen, es ist auch eines der wenigen Certified B Companies auf dem deutschen Versicherungsmarkt. Im Portfolio konzentriert sich FIBUR auf ethisch-ökologische Altersvorsorge. Investiert wird nach festgelegten Kriterien, wie etwa erneuerbare Energien, Klimaschutz, Abfallvermeidung, umweltfreundliche Mobilität und Transportsysteme bis hin zu Chancengleichheit. Dem gegenüber stehen Ausschlusskriterien, wie zum Beispiel Rüstung, Atomenergie, Tierversuche und Kinderarbeit

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