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RWE Greenwashing im Klima-Labor Podcast

zuletzt aktualisiert am 28. August 2023 von Oliver Schrage

RWE und die grüne Transformation. RWE… RWE… warte mal, ist das nicht der Laden, der den Hambacher Forst weg geschnetzelt hat – Ist das nicht der sympathische Konzern, der erst kürzlich Lützerath dem Erdboden gleich gemacht hat? Ja, genau, wir reden von diesem Konzern. Wir erklären, warum diese Podcastfolge RWE-Greenwashing ist.

Podcast Klima-Labor: RWE? „Unsere Zahlen bestätigen unsere Transformation zum grünen Konzern“

Schon der Titel der aktuellen (17.08.2023) Folge des Podcasts „Klima-Labor von ntv – wie retten wir die Erde“ klingt mehr nach PR-Geseier und Greenwashing als nach investigativem Journalismus.

Clara Pfeffer und Christian Herrmann haben sich überlegt „Was ist das dreckigste Unternehmen?“ und kommen zu dem Schluss „Ein ziemlich schlechtes Bild hat RWE, ob das fair ist oder nicht, werden wir gleich herausfinden“ so die Anmoderation. Dann werden ein paar kritische Tweets vorgelesen. Wie zum Beispiel, dass die hohen Gewinne vergemeinschaftet werden sollten, so wie die Folgekosten, mit denen diese Gewinne erkauft wurden.

Und dann: Plot-Twist: „Ob die Verfasser der Tweets wissen, dass RWE gerne führend bei erneuerbaren Energien sein will?“
Da schrillen beim aufmerksamen Hörer sofort die Alarmglocken: Direkt in einem Nebensatz sämtliche Kritik weggewischt und zum Interviewpartner übergeleitet.

Tatsächlich darf dann Katja Wünschel (CEO, RWE Renewables Europe & Australia GmbH) 30 Minuten, völlig unwidersprochen, über die grüne Transformation von RWE  schwadronieren.

Deshalb möchten wir die Aussagen in dem Podcast für Dich einordnen.

Wichtig ist uns aber zu Beginn festzustellen, dass wir für eine erfolgreiche Energiewende natürlich auch dicke Flaggschiffe wie RWE brauchen. Dass der Konzern auch weiterhin Geld verdienen will, ist erst mal gar nicht verwerflich. Wir nehmen Frau Wünschel ihre Begeisterung für erneuerbare Energien ab und glauben ihr, wenn sie sagt „Es sollte mehr grüne Projekte – schneller geben“ Unsere Kritik richtet sich an einzelne Aussagen und an gewisse Praktiken von RWE. Wir lehnen pauschale Verurteilungen ab un wollen auch mit vermeintlich „bösen“ Konzernen fair umgehen.

In der eigenen Wahrnehmung gibt es keine Kritik

Damit beginnt der Podcast. Frau Wünschel sagt „ich bin selbst viel in sozialen Medien unterwegs, vorrangig LinkedIn und da ist das Feedback durchweg positiv“
WOW! In einem Businessnetzwerk, in dem man hauptsächlich mit seiner eigenen Bubble interagiert – sprich mit Geschäftspartnern, wird nicht offen kritisiert? Wer hätte das gedacht? Ich kenne diese „Bullshit-Posts“, unter denen sich Kommentierende regelmäßig einen braunen Hals holen – das ist in allen Branchen so – Beifall klatschen, obwohl man nicht die leiseste Ahnung hat, was wirklich dahintersteckt.

„… auch bei den neuen Kollegen und Bewerbern ist das Feedback durchweg positiv“
Echt jetzt? Kollegen und Bewerber kritisieren RWE nicht? Ich meine, wer kennt nicht den Bewerber, der im Vorstellungsgespräch direkt loskübelt, wie Scheiße man den Laden findet.

Das ist in etwa so, wenn der Remmo-Clan beim Familientreffen sagt „also hier halten ausnahmslos alle unsere Geschäftspraktiken für legal“

Energiemix besteht nur zu 10 % aus Kohle und Kernenergie

Frau Wünsche nennt die 90 % Kerngeschäft. Das klingt ja auch sympathischer als Gas. Denn das ist auch 2023 noch ein wesentlicher Bestandteil bei RWE. Einziger Unterschied: RWE nennt Gas einfach „grüne Energie“

Richtigerweise muss man also sagen: 68,6 % stammen aus fossilen Energieträgern.

RWE investiert maßgeblich in grüne Projekte

Konkret sind das 15 Milliarden in Deutschland (weltweit 50 Mrd.) Das ist grundsätzlich richtig, sich aber hier hinzustellen und sich als der Klimaretter zu positionieren ist doch etwas verlogen. Zitat aus Podcast „Das ist unser Beitrag, um Kohle abzuschalten und erneuerbare anzuschalten“

Schließlich rettet RWE lediglich sein Geschäftsmodell, der Kohleausstieg ist beschlossene Sache, und wenn ein Energieversorger in Zukunft in Deutschland Geld verdienen will, dann muss er zwangsläufig erneuerbare Energie erzeugen.

Das ist Gesetz – Kein Engagement.

RWE war das einzige Unternehmen, das bereit war, vorzeitig aus der Kohle auszusteigen.

Naja…. der vorgezogene Ausstieg hat einen Preis: Lützerath. Das war der Deal: RWE darf Lützerath bergbaulich nutzen – im Gegenzug wird der Kohleausstieg vorgezogen

Laut Energieinstitut Aurora würde die Kohle, die ab 2038 verbrannt werde, gar nicht genutzt. Ab 2030 sind die CO2-Zertifikate so teuer, dass es schlicht unrentabel ist, Kohle zu verbrennen. Kurz: Das Vorziehen hat keinen Einfluss auf das Klima.

Argument Versorgungssicherheit. Die Universität Flensburg hat errechnet, dass die Kohle im Bergbau Garzweiler ausreicht, um die nächsten 4 Jahre Energie zu erzeugen.

Quelle: ARD Kontraste vom 26.01.2023.

An der Stelle lohnt sich auch ein Blick zu unseren Nachbarn. Auch die Niederlande wollen bis 2030 aus der Kohle aussteigen. Dagegen hat RWE gemeinsam mit Uniper geklagt. Zum Glück erfolglos.

RWE wird 2040 klimaneutral sein

Das war das Schluss-Statement von Frau Wünsche. Was im ersten Schritt wie ein Ziel klingt, das aus eigenem Antrieb erreicht wird, entpuppt sich als ein Ziel, dass wir alle bezahlen.

  1. Wir alle haben den Kohleausstieg bezahlt. RWE erhielt, für das vorzeitige Abschalten der Kohlekraftwerke 2,6 Mrd. Euro von der damaligen Schwarz/Roten Regierung.
  2. Wir alle tragen die Umwelt-Folgekosten für jahrzehntelange Kohleverbrennung. Das Umweltbundesamt hat jährliche Kosten von ca. 80 Mrd. für die Stromerzeugung errechnet. Fairerweise sei erwähnt: Darauf entfallen natürlich alle auf RWE.
  3. Weiterhin werden wir als Gemeinschaft RWE subventionieren. So hält RWE Investitionen in grünen Wasserstoff nur mit staatlichen Subventionen für spannend. Wir erinnern uns: also der Teil, den sich RWE schon heute auf eine grüne Fahne schreibt – Das wird von uns allen bezahlt.

Also, an der Stelle darfst Du Dir auf die Schulter klopfen und Dich darüber freuen, dass Du mit Deinem Geld RWE zur Klimaneutralität verhilfst.

Fazit:

Diese Folge von Klima-Labor war eine (wahrscheinlich) von RWE finanzierte PR Folge. Das waren im Vorfeld abgesprochene Fragen, ohne Frau Wünschel auf den Zahn zu fühlen oder sie mit konkreten Vorwürfen zu konfrontieren. Diese Folge war RWE Greenwashing. Leider bekommt der gesamte Podcast Klima-Labor einen faden Beigeschmack.

RWE ist nach wie vor einer der größten CO2 Verursacher Europas. Von nachhaltigem Ökostrom ist der Konzern meilenweit entfernt!

Der Podcast Klima-Labor wird von n-tv / RTL produziert.

 

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