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Wie nachhaltig ist Amazon Aware?

Der Onlinegigant hat im März 2022 eine nachhaltigere Produktsparte gelauncht. Unter Amazon Aware gibt es Kleidung, Kosmetik, Heimtextilien und Essentials wie Taschentücher. Wir möchten uns anschauen, wie nachhaltig Amazon Aware tatsächlich ist und Dir ggf. Alternativen vorstellen.

Amazaon Aware – nachhaltiger – aber auch nachhaltig genug?

Wir sind hier nicht gerade Fans von Amazon. Aber dennoch wollen wir uns die Nachhaltigkeitsbestrebungen fair und unvoreingenommen anschauen. Auch die Person Jeff Bezos möchten wir bei unserer Betrachtung außen vor lassen.

Den ersten Hinweis, warum man genauer hinschauen sollte, liefert bereits die Bezeichnung „nachhaltiger“ Amazon verzichtet also ganz bewusst auf den Begriff nachhaltige Kollektion. Das ist zwar grundsätzlich gut, aber natürlich birgt das immer die Gefahr, dass der Kunde nur oberflächlich hinschaut und das „ere“ übersieht – Genau deswegen halten wir das für eine Form des Greenwashings.

Was bedeutet Climate Pledge Friendly?

Climate Pledge Friendly ist der Kern der Amazon Aware Produktlinie und bedeutet, dass alle Produkte klimaneutral zertifiziert sind.

The Climate Pledge wurde 2019 von Amazon und Global Optimism gegründet – Die Idee ist es sich zu verpflichten bis 2040 CO₂ klimaneutral zu werden.  Mittlerweile haben über 200 Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen unterzeichnet, darunter HP, Hermes, Asos, Procter & Gamble, Logitech… Soweit so gut. Was uns fehlt, ist ein Statusbericht, welche Schritte welcher Unterzeichner konkret unternommen hat. Es ist in der Form eben nichts weiter als eine freiwillige Selbstverpflichtung.

Wir finden die Informationen auf der Webseite generell recht dürftig und auch etwa willkürlich. So gibt es keine konkreten Kriterien für die teilnehmenden Unternehmen, ebenso wenig wie konkrete Schritte. Zwar finden wir „Meilensteine“, aber das sind unserer Meinung nach Allgemeinplätze.

Der Climate Pledge Fund soll mit 2 Mrd. Dollar Startkapital in Unternehmen finanziert werden, die die Ziele des Climate Pledge unterstützen. Im Portfolio befinden sich Unternehmen, die CO₂ reduzierten Beton herstellen, Technologieunternehmen, die eine nachhaltige Landwirtschaft formen wollen, Hersteller von Batterien und vielen mehr.

Was sind jetzt aber diese zertifizierten klimaneutralen Produkte?

Nun, man könnte jetzt vereinfacht sagen: Alle Siegel, die der Markt so hergibt. Tatsächlich haben wir es hier eher mit einer Logowand zu tun, als mit einem transparenten Zertifikat. 32 Nachhaltigkeitslabels finden wir hier. Darunter sind zwar auch bekannte, seriöse Zertifikate wie zum Beispiel Faitrade, Bluesign, oder GOTS, aber in der Summe wirkt das so als hätte man in einem Brainstorming alle Labels zusammengetragen, in einen Mixer geworfen und unter dem Climate Pledge Friendly Dach ausgewürfelt.

Als Climate Pledge Friendly Produkte gelten alle Marken und Produkte, die mindestens eines der 32 Zertifikate haben.

Das Problem: Amazon vergleicht Äpfel mit Birnen und setzt alle Zertifikate auf die gleiche Stufe. So ist für Amazon ein Kleidungsstück, das zu 5 % aus Biomaterial besteht (OCS Blended Standard) genauso „Climate Pledge Friendly“ wie ein GOTS zertifiziertes Shirt mit vollständig transparenter Lieferkette und 100 % Bio-Anteil.

Und dann mogelt Amazon auch noch sein eigenes „Compact by Design“ Zertifikat darunter

Compact by Design Produkte entfernen überschüssige Luft und Wasser, was die CO2-Bilanz von Versand und Verpackung reduziert.

Der aktuelle Bestseller dieser „Compact by Design“ Produkte sind übrigens 32 Rollen Küchenpapier.

Ist Amazon Aware nachhaltig?

Schauen wir uns aber jetzt die Amazon Aware Klamotten genauer an. Wo die Amazon Aware Kollektion produziert wird, verschweigt Amazon komplett. Transparenz geht anders – und damit haben wir es erneut mit einer sogenannten nachhaltigen Kollektion zu tun, die bestenfalls etwas nachhaltigere Materialien verwendet. Wir betonen ja immer, dass es unterbezahlten Näher*Innen, die in baufälligen Fabriken arbeiten, nicht so wichtig ist, ob sie Bio oder konventionelle Baumwolle verarbeiten.

Preislich können die Teile ebenfalls nicht überzeugen. Schließlich Gibt es zahlreiche echte Fair Fashion Labels, die Basics zum selben Preis oder sogar günstiger anbieten.
Ein Amazon Aware T-Shirt aus Bio-Baumwolle kostet zum Beispiel 18,49 €. Im Avocadostore gibt es vollständig Fairwear zertifizierte Bio Baumwolle T-Shirts bereits für ab 15 €*
Dasselbe Bild wiederholt sich bei Sweatshirts, Hosen und Socken.

Fazit: Amazon Aware  ist Greenwashing und fällt bestenfalls in die Kategorie „gut gemeint“. Echte Nachhaltigkeit und Transparenz können wir nicht erkennen. Nahezu jedes Fair Fashion Label bietet ähnliche Preise bei voller Transparenz.

Unser Tipp: Avocadostore* statt Amazon

Was unternimmt Amazon generell in Sachen Nachhaltigkeit?

Onlineshopping bei Amazon ist für viele das exakte Gegenteil von nachhaltigem Konsum. Natürlich ist es nicht nachhaltig für eine 3 Euro Zitronenpresse den gesamten Logistik-Apparat in Gang zu setzen, weil der Versand für Prime-Kunden ohnehin kostenlos ist. Ja, man kann sagen, Amazon forciert genau dieses Konsumverhalten, aber dafür gehören eben zwei. Ein bisschen Henne-Ei-Prinzip. Wir möchten jetzt nicht allen 22 Mio. Amazon Prime Kunden unterstellen, dass sie so handeln, aber es gibt genau dieses Konsumverhalten.

Bei seinem Vorhaben, bis 2040 CO₂-neutral zu sein mogelt Amazon schon mal, denn sämtliche Subunternehmer werden hier nicht mitgezählt. Dennoch ist es natürlich löblich, dass Amazon ein klares Ziel definiert und auch Maßnahmen ergreift. Von einem Giganten mit diesem finanziellen Spielraum erwarten wir allerdings deutlich mehr und das auch deutlich schneller.

Bei der Mobilität tut sich tatsächlich was. In Deutschland will das Unternehmen auf E-Transporter und Lastenräder setzen. Das ist zwar der richtige Schritt, die Beweggründe dürften hierbei aber die Kosten sein und weniger echtes Engagement (Quelle: SWR Marktcheck). Natürlich wirkt sich das auf das Klima aus, aber die Entscheidung hat quasi nicht Amazon getroffen, sondern die deutsche Politik.

Amazon in der Kritik

Der Onlinegigant steht eigentlich unter Dauerbeschuss. Ungerechtfertigt sind die meisten Kritikpunkte aber nicht. Fans von Amazon argumentieren gerne „Aber Amazon schafft auch Arbeitspätze“ – Aber hey, deshalb hat man doch keinen Freifahrtschein.

Steuervermeidungsstrategie

Sehr bekannt und omnipräsent ist der Umstand, dass Amazon durch ein geschicktes Ausnutzen von Finanzregelarien in Deutschland so gut wie keine Steuern zahlt. Klar, das ist legal, aber es ist moralisch äußerst verwerflich. 13,4 Milliarden Euro Steuern wurden so zwischen 2010 und 2020 eingespart. Steuern zahlen ist ein elementarer Bestandteil von gesellschaftlichem Zusammenleben.

Amazon und die Vernichtung von Neuware

2020 hat Greenpeace Mitarbeiter in Amazon Logistikzentren eingeschleust und damit den Skandal um die Destroy Areas aufgedeckt. Im Logistikzentrum Winsen wird täglich eine LKW Ladung (20 Kubikmeter) Neuware vernichtet.  Weltweit betreibt Amazon 175 Logistikzentren. Rechnet man das hoch, kommen wir auf knapp 1,3 Mio. Kubikmeter vernichtete Neuware pro Jahr.  Da bringt die gesamte „Climate Pledge Friendly“ Fassade nichts.

Arbeitsbedingungen bei Amazon

Auch wenn uns die Recruiting TV Spots erzählen, wie großartig Amazon als Arbeitgeber ist, sieht die Realität doch anders aus. Die zahlreichen Streiks sprechen für sich. Weltweit erschwert Amazon Gewerkschaften die Arbeit, überwacht Mitarbeiter und sieht generell seine Mitarbeiter mehr als Ressource. (11 Gründe, nicht bei Amazon zu bestellen).

Es gibt gute Gründe, nicht bei Amazon zu bestellen. Wer echte Nachhaltigkeit will, ist hier definitiv falsch. Amazon Aware ist Greenwashing.
Der Avocadostore* ist die mit Abstand bessere Alternative!

Wir haben uns in diesem Artikel ausschließlich mit Amazon und speziell Amazon Aware beschäftigt. Uns ist klar, dass im Amazon Marktplatz zahlreiche echte faire Marken von großen und kleinen Labels gelistet sind. Dennoch raten wir dann lieber bei den Labels direkt zu kaufen und nicht über Amazon zu bestellen.

 

 

 

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