Grüner Knopf | Wie nachhaltig ist das Siegel der Bundesregierung?

Im August 2019 hat Entwicklungsminister Gerd Müller das erste staatliche Siegel für nachhaltige Textilien vorgestellt: Grüner Knopf. Die Einführungsphase soll 2021 erfolgen. Aber wie gut ist das Siegel? Wer macht mit? Wie streng sind die Kriterien? Gibt es Kritik? Wir haben uns den grünen Knopf genauer angeschaut und klären die wichtigsten Fragen.

Was ist der Grüne Knopf?

Der Grüne Knopf ist ein Siegel, das zeigen soll, dass ein Textilprodukt fair und nachhaltig hergestellt wurde. Zur Einführung 2021 werden aber nur die Produktionsschritte Zuschneiden, Nähen, Bleichen und Färben überprüft. Erst im nächsten Schritt soll das für die gesamte Wertschöpfungskette gelten und auch existenzsichernde Löhne spielen erst dann eine Rolle.
20 soziale und ökologische Kriterien muss ein Unternehmen erfüllen. Weitere 26 Kriterien gelten für die jeweiligen Produkte.
Zertifiziert werden alle Produkte aus Textilien, angefangen bei Kleidung und Heimtextilien über Stoffwindeln und andere Hygieneartikel bis hin zu Etuis und Brillenbänder.

Welche Modemarken machen mit?

Bislang heißt es lediglich “Das Interesse sei groß”. 60 Textilunternehmen, die das Siegel “Grüner Knopf” konkret einführen wollen, werden im September bekannt gegeben. Wir halten Euch hier auf dem Laufenden.

Kritik am grünen Knopf

Ein Punkt wird von einigen Verbänden wie zum Beispiel der Verbraucherzentrale das mehrstufige Verfahren kritisiert, um den grünen Knopf zu bekommen. Es sei schlicht zu kompliziert und schwer umzusetzen.
Die Kampagne für saubere Kleidung kritisiert, dass eine freiwillige Selbstverpflichtung der falsche Weg ist und fordert stattdessen gesetzliche Rahmenbedingungen für Hersteller. Hier kannst Du die Stellungnahme nachlesen.
Wir sehen das ähnlich, schließlich gibt es schon längst etablierte Konzepte wie GOTS, Fairtrade oder die Fair Wear Foundation, die auf Freiwilligkeit setzen – Wer echtes Interesse an fairer Kleidung hat, hätte sich hier längst anschließen können.

Positiv hingegen beurteilt “Brot für die Welt” den grünen Knopf, zwar ist man hier noch zurückhaltend, hält den Schritt aber grundsätzlch für richtig.

Warum tun sich so viele Modemarken mit Nachhaltigkeit schwer?

Dafür gibt es einen ganz einfachen Grund: Es interessiert den Verbraucher schlicht nicht. Zwar haben in einer Umfrage 2017 64% der Befragten angegeben, dass Fairtrade bei Kleidung in Zukunft wichtiger sein wird. In krassem Gegensatz dazu, steht der Megatrend: Fast Fashion – oder anders ausgedrückt, Wegwerfmode zum Schleuderpreis.

Ein grünes Image kann sich für Modefirmen lohnen, schließlich gaben 66% an, 2-5% mehr zu bezahlen, wenn die Hersteller nachweisen können, nachhaltig zu produzieren. (Quelle: Statista) Deshalb wird jede Möglichkeit ausgeschöpft sich nachhaltig zu zeigen. Aktuelles Beispiel: Primark wirbt damit, dass immer mehr Produkte aus nachhaltiger Baumwolle ins Sortiment kommen. Der Verbraucher nimmt das freudig auf und kauft mit gutem Gewissen – Tatsächlich kommt die nachhaltige Baumwolle dann von fragwürdigen Labels wie der BCI und wird irgendwo unter unmenschlichen Bedingungen weiterverarbeitet.

Gerd Müller betont, dass der “Grüne Knopf” werde nicht zwingend höhere  Produktpreise nach sich ziehen wird. Selbst wenn sich der Lohn einer Näherin verdoppeln sollte, ist das kaum spürbar (aktueller Stundenlohn: zwischen 12 und 20ct)
Das mag sein – aber wenn der Verbraucher bereit ist mehr zu bezahlen, werden die Unternehmen hier ganz sicher auch beherzt zugreifen.

Es besteht also durchaus die Gefahr, dass der Grüne Punkt, so gut er gemeint ist, ein Greenwashing Label wird – mit der Option auf höhere Gewinne für die Unternehmen.

Unser Fazit: Grüner Knopf – Besser als kein Siegel, aber noch lange nicht gut.

Wie immer, wenn eine Branche wie die Modeindustrie “großes Interesse” an etwas zeigt, sind Zweifel angebracht. Kaum eine andere Branche ist so scharf auf Greenwashing-Konzepte, wie die Doku Schmutzige Baumwolle zeigt. Schließlich hätte sich jedes Modeunternehmen längst der Fair Wear Foundation, anschließen können oder sich das GOTS oder Fairtrade Siegel sichern können. Die Möglichkeiten sind schon längst da. Was den Verdacht aufkommen lässt: Dass ein echtes Interesse an fairen und nachhaltigen Textilien nicht besteht.

Hinzu kommt eine wichtige Frage, die sich uns stellt: Wie verhält sich der Grüne Knopf bei international agierenden Firmen? Zwar versteht sich der grüne Knopf als globales Siegel, aber die Nachfrage nach nachhaltigen Textilien dürfte in andern Ländern geringer sein, als bei uns. Das heißt: Nur bei uns könnten die Unternehmen mehr Geld für das Produkt verlangen – müssten aber Ihre gesamte Produktion für den internationalen Markt an den Kriterien des grünen Knopfes ausrichten. Damit würden sie in weiten Teilen der Welt auf Gewinn verzichten. So wie wir die Branche kennen, bezweifeln wir stark, dass die Modemarken das dufte finden.

Wir finden den Ansatz dennoch gut und halten den Weg für wichtig und richtig. Die Frage ist, wie setzt sich das Siegel am Markt durch und wie entwickelt es sich weiter und vor alle wie streng wird die Einhaltung der Kriterien kontrolliert. Das wird sicher in den nächsten Wochen und Monaten konkreter und wir halten Euch auf dem Laufenden.

Fair Fashion gibt es schon lange – Hier findest Du unsere Lieblingsmarken.

 

  • Leave Comments