Wie nachhaltig sind Milchalternativen?

Die Süddeutsche Zeitung hat kürzlich mit einem Artikel polarisiert, in dem sie mit der Überschrift „Wie Veganer zur globalen Wasserknappheit beitragen“ den Eindruck erweckt hat, dass vegane Ernährung umweltschädlich ist. Dabei berief sich die SZ auf eine WWF Studie, die sich mit dem Wasserbedarf für unsere Ernährung beschäftigt. Tatsächlich geht es hier aber nicht um Milchalternativen im Allgemeinen, sondern in einem Absatz lediglich um Mandelmilch. Mittlerweile heißt der Artikel „Mandelmilch ist nicht so ökologisch, wie viele denken“ An dieser Aussage gibt es nichts auszusetzen.

Für uns ist dieser Sturm im Milchglas jedenfalls Grund genug Euch mal ein paar nachhaltige Milchalternativen vorzustellen.

Nachhaltige Milchalternativen

Der immer stärker wachsende Markt an Milchalternativen treibt die Milchlobby natürlich zu diversen, lächerlich anmutenden Angriffen. So darf auf der Verpackung nicht Pflanzenmilch stehen, weil der Verbraucher angeblich damit getäuscht wird – Darauf erst mal einen Wurstsalat! Als Blogger und Verbraucher, darf ich aber sehr wohl von Pflanzenmilch sprechen, was ich in diesem Artikel auch so machen werde. Also, Liebe Milchlobby: Bitte verklagt mich nicht, dann gebe ich Euch auch einen Leberkäse aus.

Ökobilanz von Milch und Milchalternativen

Das Bundesumweltamt hat in einer Studie die versteckten Kosten von Kuhmilch errechnet – 7 bis 11 Milliarden Euro Folgekosten für die Umwelt entstehen jedes Jahr. Es gibt also gute Gründe seinen Milchkonsum drastisch zu reduzieren und sich mal Milchalternativen anzuschauen, aber sind die wirklich besser? Spoiler: Ja, sind sie:

Milchalternativen

https://de.statista.com/infografik/21638/umwelteinfluss-verschiedener-milchsorten/

Halten wir also fest: Selbst die ach so umweltschädliche Mandelmilch kommt mit etwa der Hälfte der Wassermenge aus, als für Kuhmilch benötigt wird. Ihr Ökologischer Fußabdruck ist gerade mal ein Fünftel so groß wie der von Kuhmilch. Kuhmilch müsste laut einer Berechnung des Bundesumweltamtes das Doppelte kosten, um alle Umweltschäden zu kompensieren.

Nachhaltige Milchalternativen aus Soja, Hafer, Lupinen

Natürlich kann man seine Pflanzenmilch auch recht einfach selbst herstellen, das überlassen wir aber den Kollegen von smarticular, die auch wirklich was davon verstehen. Wir konzentrieren uns hier auf die Milchalternativen, die Du fertig kaufen kannst.

Not M*LK von Alpro

alpro hafermilchDas ist sicher der bekannteste Hersteller von Milchalternativen. In jedem halbwegs gut sortiertem Supermarkt ist Alpro mittlerweile gelistet. Gerade die neueste Sorte „Not M*LK“ ist ein Meilenstein – Jeder der bisher gedacht hat „Ne – Hafermilch schmeckt mir nicht“ sollte diesem Produkt noch eine Chance geben. Sowohl vom Mundgefühl, als auch vom Geschmack ist es sehr nah an Kuhmilch, dabei ist die Zutatenliste erfrischend kurz.

Alpro ist zwar eine eigene GmbH, gehört genau wie Provamel zu Danone und man kann nicht über Alpro sprechen, ohne auf den Mutterkonzern zu zeigen. Danone ist immerhin der weltweit größter Hersteller von Milchprodukten. (Danone gehört übrigens nicht zu Nestlé)

Verkürzt kann man sagen: Danone macht noch lange nicht alles, aber schon verdammt viel richtig. Knapp die Hälfte aller Danone Firmen, sind bereits certified B-Corporations. Auch die Verpackung der „Not M*LK“ ist recycelbar bis hin zu einem Schraubverschluss aus pflanzlichem Kunststoff. Der Hafer wird in Europa angebaut.

Das ist alles schön und der Konzern hat den richtigen Weg eingeschlagen – Dennoch müssen wir auch über die Schattenseiten sprechen. Was für Nestlé Vittel ist, ist für Danone Waters und Volvic die Auvergne. Auch Danone pumpt offensichtlich mehr Wasser ab, als die Region vertragen kann. Hinzu kommt, dass es generell nicht nachhaltig ist, Wasser in Einwegflaschen abzufüllen und sie dann in die ganze Welt zu exportieren.

Besonders in den nächsten Monaten, müssen wir Danone aber im Auge behalten, der Firmenchef wurde erst im März 2021 auf Druck der Finanzinvestoren gefeuert. Es war aber Fabers Handschrift, die Danone in den letzten Jahren geprägt hat. Er hat die Rücksichtnahme auf soziale Belange und die Umwelt als Ziele in den Firmenstatuten verankert. Es bleibt also abzuwarten, ob die neue Führung hier eine Kehrtwende einleitet.

Oatly

oatly milchalternative71 Millionen Liter Hafermilch verkauft Oatly jedes Jahr und gehört damit ganz klar zu den dicken Schiffen. Der Nachhaltigkeitsbericht von Oatly selbst ist erfeulich. Die Zutaten sind zum großen Teil regional aus Finnland, Schweden, Dänemark, Estland, Litauen. Aber Calcium und Vitamine werden auch aus den USA oder Asien importiert. Immerhin: Oatly nennt hier Ross und Reiter und listet die einzelnen Zulieferer detailliert aus.

In der Kritik steht das schwedische Unternehmen, seit der Übernahme durch die US Investmentfirma Blackstone. Darin scheiden sich die Geister – die einen glauben, dass man ein Unternehmen mit so einem Investor auf gar keinen Fall unterstützen kann. Andere sehen es pragmatischer: Ein finanzstarker Investor sorgt für Wachstum und das bringt am Ende mehr Menschen dazu auf Milchalternativen umzusteigen. Auf welcher Seite Du stehst, musst Du selbst wissen.

Blackstone war übrigens von 2011 bis 2017 auch Eigner von Jack Wolfskin bis es an den Golfausrüster Callaway verkauft wurde. Stark in die Kritik geriet Blackstone durch einen Deal zwischen Saudi Arabien und Trump für ein Infrastrukturprojekt und Wahlversprechen des Ex Präsidenten. Auch nach der Ermordung von Jamal Khashoggi wurde das Vorhaben weiter verfolgt.
Ein weiterer großer Kritikpunkt ist die Beteiligung an Firmen, die maßgeblich für die Abholzung des Regenwaldes verantwortlich sind.

Blackstone ist zu mittlerweile zu 99 % Sithe Global beteiligt. Diese wiederum hat eine Tochter namens Herakles Farms und dieses Tochterunternehmen hat 2009 eine Konzession erhalten 73.000 Hektar Regenwald in Kamerun zu einer Palmölplantage umzubauen (Nebenbei bemerkt, einer der ältesten Regenwälder der Welt). 2013 wurde die Konzession seitens der Regierung ausgesetzt und Herakles wegen rassistischer Diskriminierung zu einer Geldstrafe von 4,6 Mio. Dollar verurteilt (Quelle: Wikipedia, englisch)

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von Alpro, Provamel, Oatly, Luve und mehr....
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hemi

hemi hanfmilchJetzt haben wir 2 Marken von 2 Großkonzernen vorgestellt, bei denen es immer auch ein „aber“ gibt. The Hempany ist ein kleines und unabhängiges Start-up aus Stuttgart. Der offensichtlichste Unterschied: hemi Milck ist eine Milchalternative aus Hanfsamen. Der ist nicht nur ein regionales gesundes Superfood, sondern bindet sogar noch mehr CO₂ als Bäume und sorgt für eine bessere Bodenqualität.  Bei hemi kommt noch dazu nur Bio-Hanf in die Tüte. Hanfmilch schmeckt sicher nicht jedem, eine besonders gesunde Milchalternative ist es in jedem Fall. Neben Omega 3 und Omega 6 Fettsäuren enthält sie Kalzium, Magnesium und Aminosäuren.

hemi Milck bekommst Du in vielen Alnatura, Basic und Rossmann Filialen oder im Onlineshop → drink-hemi.com*

Blue Farm

Ein anderer Ansatz ist die Hafermilch zum selber zusammen rühren des Berliner Start-ups Blue Farm. Auf diesem Weg kann ordentlich Verpackungsmüll und CO₂ eingespart werden. Co2 weil Milchalternativen zum großen Teil aus Wasser bestehen und das muss nun wirklich nicht irgendwohin transportiert werden – das kommt bei uns allen aus der Leitung. Die Beutel enthalten also lediglich das Pulver und weil in einem Beutel so viel Pulver wie für 4 bzw. 8 Liter sind sparst Du entsprechend 90 % Verpackungsmüll.

Der Hafer kommt aktuell aus verschiedenen Quellen in Europa. In Zukunft will man aber immer mehr Rohstoffe aus Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern beziehen. Blue Farm hat die mit Abstand kürzeste Zutatenliste, die wir bei Milchalternativen bisher gesehen haben: Hafer. Aktuell gibt es die Hafermilch zum selbst mixen nur online – bei Bedarf sogar im Abo → bluefarm.co

Wie läuft die Milchproduktion ab?

Auch ich dachte früher mal „Kühe geben Milch – So ist das nun mal“ Das ist natürlich Quatsch. Milch ist für Neugeborene  – Für niemanden sonst. Und nur wenn ein Kalb zur Welt kommt, produziert die Kuh Milch bzw. Die Kuh muss mindestens ein Kalb zur Welt gebracht haben. Da die Menge danach naturgemäß mit jedem Tag sinkt, wird in der Massenproduktion eine Kuh nach ca. 300 Tagen erneut befruchtet.

Direkt nach der Geburt, wird das Kalb von der Mutter getrennt, mit Ersatznahrung aufgezogen, bis es als Kalbsschnitzel in der Kühltheke landet. Dieser Kreislauf wiederholt sich 30-40 Jahre. Bei der Bio-Landwirtschaft haben es die Tiere zwar besser, aber im Kern folgt auch sie diesem Kreislauf.

Warum trinken wir eigentlich Milch?

Menschen sind die einzigen Lebewesen, die Milch von anderen Arten trinken können. Alle Säugetiere trinken Milch um zu wachsen – Und zwar nur deshalb. Eine Mutter – egal ob Mensch oder Kuh hört irgendwann auf, Milch zu produzieren. Ein ganz natürlicher Prozess. Danach ist Milch nicht mehr notwendig. Genau genommen vertragen wir sie danach gar nicht mehr. Das Enzym Lactase wird nach dem Stillen zurückgebildet – Das hat die Natur eigentlich so eingerichtet. 75 % der erwachsenen Weltbevölkerung verträgt gar keine Milch, auf der Südhalbkugel liegt der Anteil sogar bei 80-100 %.

Da wir aber nicht mehr im Mittelalter leben und auch die Eiszeit lange vorüber ist, können wir diesen Mangel anders ausgleichen. Bleibt also lediglich die ethische Komponente.

Heute, wo es so viele großartige Alternativen gibt, heißt es einfach: Probier es doch einfach mal aus.
In diesem Sinne: die Milch machts.

Milchalternativen
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2018 habe ich nachhaltige-deals gegründet, weil mir das Thema persönlich am Herzen liegt. Wir leben in einer Zeit, in der wir auf nichts verzichten müssen und trotzdem nachhaltig leben können. Das einzige, was wir tun müssen ist, den Blickwinkel zu ändern und unsere Prioritäten gerade rücken. Deshalb betreibe ich diesen Blog. Ich möchte einen Wegweiser für nachhaltigen Konsum bieten. Seit über 20 Jahren bin ich im Marketing tätig. Seit 10 Jahren leiste ich mir den Luxus kein Auto zu besitzen und ernähre mich vegan. Ich bin kein Mode-Experte, ich bin auch kein Beautyblogger - Mich interessiert nur: Wie viel Nachhaltigkeit steckt drin. Und genau unter diesem Aspekt stelle ich hier nachhaltige Produkte, Projekte oder Firmen vor.