Nachhaltiger Konsum – So komplex und doch so einfach

Nachhaltiger Konsum klingt schon echt unsexy – macht aber glücklich. So eine Shoppingmall ist jedenfalls das exakte Gegenteil davon. Warum Du auf nachhaltigen Konsum achten sollst, was für positiven Effekte daraus entstehen, wo der Unterschiede zwischen nachhaltigem Konsum und blindem Aktionismus ist und was Garfield damit zu tun hat, möchten wir Dir hier erzählen.

Was ist nachhaltiger Konsum?

nachhaltiger konsumIch möchte hierzu eine kleine Geschichte aus meiner Kindheit erzählen. Dieser Plüsch-Garfield war das Erste, was ich mir von eigenem Geld gekauft habe. Ich war damals 6 Jahre alt und wollte diesen Garfield unbedingt haben. 16 Mark hat er damals gekostet und er machte für mich den Unterschied zwischen nie enden wollender Glückseligkeit und einem zu Langeweile und Wertlosigkeit verdammtem Leben. So dachte ich.

Meine Mami wollte mir aber kein Geld geben “Wenn Du so einen Blödsinn willst, musst Du es von Deinem Geld bezahlen” Ich konnte mir damals mein Taschengeld durch Haushaltsjobs aufbessern. Also dauerte es eine Woche und ich konnte mir den heiß-begehrten Garfield kaufen.

Und da saß ich jetzt – mit meinem Plüsch Garfield. Langsam kam so ein Gefühl auf, dass mich der gelbe Kater überhaupt nicht weiterbringt – Ich weder glücklicher bin, noch irgendwas mit dem Ding anfangen konnte – Kurz ich brauchte es nicht.

Fast 40 Jahre danach besitze ich diesen Garfield immer noch und er steht in meinem Regal. Er erinnert mich noch heute daran: Egal wie sehr Du Dir etwas wünscht, überlege Dir gut, ob Du es auch wirklich brauchst.

Genau das ist nachhaltiger Konsum.

Bewusst einkaufen eben.  Dabei ist es im Prinzip egal, ob es sich um einen Stoffkater für ein paar Euro handelt oder um den Flachbildfernseher für 10.000 Okken.

Wir alle konsumieren – und das ist auch gar nicht schlimm. Totale Konsumverweigerung ist schlicht nicht möglich. Abgesehen davon hat nachhaltiger Konsum auch positive Auswirkungen auf die Welt, die Menschen und die Natur, wenn man die richtigen Dinge kauft und die richtigen Firmen unterstützt. Es geht in der Summe um den berühmten Fußabdruck – und der sollte so klein wie möglich sein. Angefangen bei der Herstellung bis zum Transport nach Hause. Dabei kann jeder so weit gehen, wie es seine Möglichkeiten zulassen. Grundsätzlich ist es aber so, dass wir in einer Zeit leben, in der wir auf absolut nichts verzichten müssen und trotzdem nachhaltig leben können.

Die Basis für nachhaltigen Konsum ist natürlich Geld. Und das sollte auf einem nachhaltigen Konto liegen. Wir empfehlen die Tomorrow Bank und haben uns das Konto von morgen genauer angeschaut.

Nachhaltiger Konsum ist Klimaschutz

Mal abgesehen von der nachhaltigen Herstellung von Produkten, die einen deutlich kleineren ökologischen Fußabdruck hinterlassen, führt unser Konsum und der Handel mit ärmeren Ländern dort zu einer aufblühenden Wirtschaft. Die Menschen dort werden für ihre Arbeit fair bezahlt und Bildung wird lohnenswert. Nun ist es eben so, dass sich Menschen erst um abstrakte Zukunftsfragen kümmern, wenn ihre Existenz gesichert ist. Solange man nicht weiß wie man sich und seine Familie am nächsten Tag sattbekommen kann, kümmert einen nicht wie viele Pestizide aufs Gemüse gespritzt wird, das man sich eh kaum leisten kann. Erst wenn man sich um diese elementaren Existenzfragen nicht mehr kümmern muss, rücken Themen wie Klimaschutz und Umweltschutz wieder in den Fokus. Menschen funktionieren einfach so – Ist bei uns auch so. (Vergleiche Maslowsche Bedürfnispyramide)

Ja, so könnte man jede Art von Konsum rechtfertigen und es ist auch ein bisschen wahr. Aber die Argumentation greift natürlich nur, wenn die Arbeiter nicht unterhalb der Armutsgrenze bezahlt werden und für die Produktion nicht unzählige Ressourcen verschwendet werden.

Im Supermarkt

Nachhaltiger Konsum im Supermarkt ist für viele undurchschaubar, so riesig ist das Angebot – Tatsächlich ist es recht einfach. Neben den Produkten, die Du in Deinen Einkaufswagen packst, fängt ein nachhaltiger Einkauf bereits mit der Anfahrt an. Brauchst Du nicht viel oder bist Single – Lass Dein Auto doch stehen, Rucksack schnappen und mit dem Fahrrad fahren.

Neben dem allgemeinen Boykott von Marken wie Nestlé, Cargill, Unilever, Pepsico und Mars kannst Du ganz einfach nachhaltig konsumieren. Wir gehen hier nicht auf Fertigprodukte ein, da wir davon generell nichts halten.

Gemüse und Obst

Regional und saisonal ist hier das Zauberwort. Möglichst Bio und ohne Plastiktüte. Gleiches gilt für Obst. Natürlich sind Bananen, Orangen, Ananas, Mango und Co nicht regional, wenn dannnachhaltiger konsum im supermarkt sollten sie aber in jedem Fall Fair Trade und Bio sein. Bei Etepetete kannst Du sogar krummes Gemüse adoptieren, was zu “hässlich” für das Supermarktregal ist. Wir haben hier auch einen etepetete Gutschein für Dich.

Differenzierter betrachtet, ist eine Wassermelone aus der Türkei im Sommer kinderfreundlicher, als ein Apfel – der seit letzten September energieintensiv gelagert wird oder aus einem teuer betriebenen Gewächshaus kommt. Südfrüchte die nachreifen (z.B.: Banane, Papaya) kommen mit dem Schiff – also mit Schweröl und sehr klimaschädlich. Ananas und Mango beispielsweise kommen meist mit dem Flugzeug, das bei aller Flugscham immer noch klimafreundlicher ist, als das Frachtschiff. Es gibt sogar bereits Bemühungen, diese Früchte in ungenutzten Gepäckraum von Passagierflugzeugen zu transportieren. Genauer haben sich die Kollegen von thebirdsnewnest.net beleuchtet.

Superfood

Lass es einfach stehen! Kein Mensch braucht hierzulande Quinoa und Chiasamen. Regionale Alternativen stehen im Regal daneben und müssen sich in Sachen Geschmack und Nährwert nicht hinter den südamerikanischen Modekörnern verstecken. Darüber hinaus sind sie auch deutlich günstiger.

Das sind die Alternativen:
Quinoa – Hirse
Chiasamen – Leinsamen
Gojibeere – Johannisbeere, Sanddorn
Acai – Heidelbeere

Tiefkühlware

Besser als ihr Ruf sind Tiefkühl-Erbsen, Brokkoli, Spinat, Bohnen oder Kräuter. Dass TK Ware keine Nährwerte mehr besitzt, ist lange widerlegt und auch die Klimabilanz ist weit besser als man glaubt, wie das Freiburger Ökoinstitut herausgefunden hat. Schließlich wird das Zeug oft auch saisonal geerntet und die Tiefkühlung ist effektiver als Gewächshäuser.

Milchprodukte

Bio. Eine Alternative gibt es nicht. Außer komplett darauf zu verzichten. Empfohlene Marken: Andechser Natur, Alnatura, Söbbeke

Auch Veganer können noch nachhaltiger einkaufen: Hafer statt Sojamilch. Oder Milch und Joghurt aus der Süßlupine – nicht umsonst wird sie auch Soja des Nordens genannt – wächst nämlich direkt bei uns vor der Haustüre.  Empfohlene Marken: Kölln, Berief, Oatly, Made with LUVE.

Kaffee und Tee

Hier gilt natürlich grundsätzlich: Fair Trade oder Direkthandel. Eine Alternative gibt es nicht. Idealerweise Bio. Empfohlene Marken: Altomayo, Gepa, Café Intención, Lebensbaum, Mount Hagen. Mehr über das Thema und verschiedene Fair Trade Kaffee Marken

Schokolade

Auch hier gilt: Fair Trade. Keine Ausnahme! Empfohlene Marken: Gepa, die gute Schokolade, Tonys. Mehr leckere faire Schokoladenmarken findest Du hier.
Bei Marken wie Lindt, Milka, Mars, Nestlé muss man leider immer davon ausgehen, dass der Kakao von Sklaven und noch schlimmer Kindersklaven geerntet wurden.
Ritter Sport und Ferrero hingegen verwenden zum größten Teil Fair Trade Kakao. Allerdings nicht Bio und auch die anderen Zutaten, wie Haselnüsse sind nicht unbedingt fair gehandelt.

Fleisch

Das ist der stärkste Hebel für Deinen nachhaltigen Konsum. Generell gilt hier: Iss weniger davon. Bitte nur Bio und aus regionaler Haltung. Nur so kannst Du sicher sein, dass für das Futter kein Regenwald abgeholzt wurde. Kein abgepackter Kram, denn auch, wenn sie manchmal regional daherkommen – sind die wenigsten Marken wirklich regional. Von der unnötigen Verpackung abgesehen.

Palmöl

Ja, es hat ein miserables Image und steckt doch überall drin. Wir müssen es aber trotzdem differenzierter betrachten. Für Palmöl-Plantagen wird Regenwald abgeholzt und über den halben Planeten verfrachtet. Allein deshalb sollte man darauf achten. Aber Kokosöl zum Beispiel ist eine sehr schlechte Alternative – Der Anbau ist weniger effizient als Palmöl, es braucht also noch mehr Flächen als für Palmölplantagen um die gleiche Menge Öl zu erzeugen und auch Kokos kommt aus dem Regenwald. Bessere Alternativen sind Sonnenblumen, Hanf, Oliven, aber auch nur, weil sie regional angebaut werden können, denn auch sie brauchen deutlich mehr Fläche als Ölpalmen. In jedem Fall solltest Du aber darauf achten, dass es Palmöl aus biologischem Anbau (kbA)

In der Drogerie

Nachhaltiger Konsum in der Drogerie ist auf dem Vormarsch! Trotz einiger fragwürdigen Produkte, wie das Wasserspray bemüht sich DM und auch Mitbewerber Rossmann immer nachhaltiger zu werden. Aber auch die Hersteller wie zum Beispiel Frosch, die mittlerweile 100 % ihrer Behälter aus Aktplastik herstellen, gehen voran. Leider gibt es aber in Deutschland immer noch keine Nachfüllstationen in Drogeriemärkten. Aber Du kannst selbst noch mehr tun, indem Du zu Alternativen greifst.

Naturkosmetik statt konventionelle Produkte
Seife statt Duschgel (Tipp: Share Seife am Stück)
Deo ohne Aluminium
Produkte mit Ecolabel oder blauem Engel bevorzugen

Aber auch hier gilt: nachdenken, statt blinden Aktionismus ausleben. Beispiel: Zahnputztabletten. Ja, sie fallen in den Bereich Zero-Waste. Was dabei aber vergessen wird: Eine Maschine, die Tabletten presst, ist weniger effektiv als eine die Zahnpasta herstellt. Top-Maschinen schaffen in der Stunde ca. 250.000 Tabletten. Gleichzeitig kann aber 1 Mio. Liter Zahnpasta produziert werden. Einfach mal darüber nachdenken.

Im Klamottenladen

Fair Fashion Labels bei großen Modehäusern? Fehlanzeige! Kein einziges Teil, das nachhaltig produziert wurde. Fast Fashion zu Schleuderpreisen, wo man hinschaut. Peek & Cloppenburg hat immerhin als erstes Modefachgeschäft einzelne nachhaltige Marken ins Sortiment aufgenommen. Es hat also begonnen. Wenn die Nachfrage noch mehr steigt, hält auch in Warnhäusern und Boutiquen der nachhaltige Konsum Einzug.

Achtung Greenwashing!

H&M bietet die Conscious Line an und Primark wirbt mit “immer mehr Kleidung aus nachhaltiger Baumwolle”. Abgesehen davon, dass diese Baumwolle grün gewaschen ist, halten wir den Trend von solchen Aussagen für sehr bedenklich, denn nachhaltige Baumwolle macht noch lange keine faire Kleidung. Beim Verbraucher bleibt aber hängen “Primark macht jetzt nachhaltige Mode” – Und das ist schlichtweg falsch. Den unterbezahlten Näherinnen ist es nämlich völlig egal, ob sie nachhaltige Materialien oder konventionelle Baumwolle in dunklen einsturzgefährdeten Fabriken zusammen nähen. Mehr Greenwashing Beispiele haben wir in diesem Artikel recherchiert.

Am nachhaltigsten sind noch C&A* und Bonprix*, die erfrischend transparent über die gesamte Wertschöpfungskette berichten.

Kleine Läden wie Loveco*, Wunderwerk* oder Greenality* sind hier die Ausnahme. Leider findet man die nur vereinzelt und eher nur in Metropolen wie Berlin oder Stuttgart.

Anders ausgedrückt: Online ist die Modewelt ein ganzes Stück fairer.
Hier haben wir beschrieben, wie Du nachhaltige Mode erkennst und hier findest Du echte Fair Fashion Labels.

Secondhand

Egal ob fair produziert oder nicht – gebraucht ist immer nachhaltiger – Schließlich wurden die Ressourcen bereits verbraucht. Für Klamotten gibt es in vielen Städten tolle Secondhand Läden, wie zum Beispiel Picknweight, wo man nach Kilopreisen bezahlt. Online gibt es Ubup.de* und natürlich das gute alte Ebay* und auch die App Kleiderkreisel. Aber auch bei Technik lohnt sich das für viele – Refurbished IT nennt sich das dann.  Anbieter: AfB Shop*, asgoodasnew.de*, laptopsfair*, greenpanda.de*, rebuy.de*

Mehr über Second Hand Mode findest Du in diesem Artikel.

Nachhaltiger Konsum im Internet

Tatsächlich ist Onlineshopping nachhaltiger als man meinen könnte. Unter Umständen ist es sogar umweltfreundlicher. Schließlich können Versandhäuser sehr viel effizienter arbeiten als dezentral organisierte Läden. Außerdem muss man selbst ja irgendwie zum Laden kommen – Es spielt also keine Rolle, ob die Waren zu mir oder ich zu den Waren fahre. Wir gehen in diesem Artikel noch mehr auf Onlineshopping und Nachhaltigkeit ein. 

Fazit

Niemand muss sich einschränken!
Es gibt für alles eine nachhaltige Alternative – und die ist oft gar nicht teuer. Aber generell gilt: Hirn einschalten beim Konsumieren, bewusst einkaufen statt sich zügellos der Shoppingwut hingeben.

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