Nachhaltige Ernährung. Veganer sind die besseren Menschen

Ich bin Veganer – und mich regt diese Behauptung auf. Egal ob sich Vegetarier und Veganer damit über andere erheben oder ob Fleischesser uns das vorwerfen, weil sie glauben zu wissen, dass wir genau das denken. Nachhaltige Ernährung ist jedenfalls gut für Klima, Tier und Umwelt, aber vegan ist nicht gleich nachhaltig.

Fakt ist bestenfalls, dass viele Veganer und Vegetarier  bewusster leben und sich mit ihrer Nahrung tiefer auseinandersetzen, mehr aber auch nicht. Außen vor gelassen, dass man unter Veganern genauso Arschgeigen findet,  gibt es auch viele Vegetarier, die glauben die Welt zu retten, nur weil sie die Rügenwalder Veggie-Wurst statt der geschredderten Ferkelreste essen.

Nachhaltige Ernährung – Wie nachhaltig sind Veganer?

Der Veganer, der sich von kanadischem veganem Käse, Rügenwalder Veggie-Schnitzel, Avokados und Südfrüchten ernährt, mit dem Samsung telefoniert und im Hugo Boss Anzug mit seinem Porsche zum Bäcker fährt, lebt ungefähr genauso nachhaltig wie Donald Trump weit denken kann. Tierleid vermeiden ist nämlich nur 1 Faktor von Nachhaltigkeit. Im folgenden versuche ich zu erklären wie nachhaltige Ernährung aussieht und was schädlich ist

Export von Fleisch – Einmal um die ganze Welt!

Deutschland ist er drittgrößte Fleischexporteur der Welt. Es ist schon sehr fragwürdig, warum man ein Produkt in die halbe Welt exportiert,  was jeder auf der ganzen Welt selbst herstellen könnte. Noch paradoxer wird es, wenn man sieht, dass wir einen nicht unerheblichen Teil nach Afrika exportieren. Dort machen wir den einheimischen Bauern mit unserem EU-Billigfleisch Konkurenz und treiben so die Viehzüchter in den Bankrott – Wir berauben den Kontinent damit seiner Kaufkraft und um das zu kompensieren, statten wir Afrika mit Entwicklungsgeldern aus.

Das ist wirklich ein perverser Kreislauf, der einzig dafür da ist unseren Wohlstand zu sichern und das auf eine sehr egoistische Weise. DAS jedenfalls ist nicht nachhaltig.
Wir exportieren übrigens unseren Überschuss dahin – Oder deutlicher ausgedrückt: Den Abfall. Weil wir in unserer Überflussgesellschaft daran gewöhnt sind uns die Rosinen herauszupicken.
Noch ein Kreislauf, an dem ein Veganer nicht teilnimmt und somit deutlich nachhaltiger lebt.
Immer noch nicht kurios genug?
Wir exportieren nicht nur – Nein wir importieren auch. Weil es Verbraucher gibt, denen 1,99€ für 500 Gramm Chicken Nuggets aus der Kühltheke immer noch nicht billig genug sind – Also exportieren wir Fleisch aus z.B: Brasilien.

Und wo wir gerade bei sinnentleerten Wirtschaftskreisläufen sind…

 

Soja-Anbau und Regenwaldabholzung

Ach es vergeht keine Diskussion zu dem Thema, ohne dass irgend ein mit Halbwahrheiten bewaffneter Fleischfan diese Karte zieht. “Für Euren Soja, wird Regenwald abgeholzt”
Das ist falsch! Richtig ist zwar, dass große Flächen Regenwald für den Soja-Anbau weichen müssen, aber von diesem Soja wandert gerade mal 2% in unsere Nahrung. 18% werden zu Sojaöl und Biodiesel – aber der Löwenanteil: 80% wandert als Schrot in das  Tierfutter. Ja genau – Tiernahrung. Wir importieren jährlich 4,5 Mio Tonnen Futtersoja. Das perverse an der Geschichte ist, dass wir den Regenwald vernichten, der unser Klima regelt, stattdessen Tierfutter anbauen, welches wir quer über die Welt nach Deutschland importieren – damit unsere Tiere füttern um einen nicht unerheblichen Teil davon in andere Ecken der Welt zu exportieren.

Deutlicher als durch dieses Paradoxon kann man eigentlich nicht ausdrücken wie sehr einem Nachhaltigkeit am Arsch vorbei geht und wie gerne man Mutter Natur in den Vorgarten koffert. Noch gar nicht berücksichtigt ist hier das Gensoja samt Glyphosat was seinen Teil zum Insektensterben beiträgt und in Südamerika fröhlich überall eingesetzt wird und damit Mensch und Umwelt kontinuierlich vergiftet. Der Soja, den wir Veganer so futtern kommt meist aus Österreich oder Frankreich. Trotzdem sollten wir beachten, dass der Soja-Anbau als Monokultur alles andere als nachhaltig für den Boden ist.

Anbaufläche – Fleisch frisst Land

Bei einer wachsenden Weltbevölkerung stellt sich natürlich immer die Frage, wie wir eine nachhaltige Ernährung sichern können.
1,4 Milliarden Hektar Ackerland haben wir auf der Erde. Wollen wir keinen Wald abholzen, müssen wir damit auskommen. Das bedeutet: 2000 Quadratmeter stehen jedem Menschen auf dieser Welt zu. Das Weltacker-Projekt hat gezeigt, wie knapp dieser Platz ist. Wir Europäer importieren jährlich 30 Mio Hektar virtuelles Ackerland. Damit stehlen wir die Fläche anderen Menschen – Das heißt, radikal formuliert: Europa tötet jährlich 15.000 Menschen!

Jetzt muss man verstehen, dass es 10-30 Kalorien braucht um 1 Kalorie Fleisch zu erzeugen. Damit steht fest: Pflanzen machen mehr Menschen satt als Fleisch.
Ein 200 Gramm Steak hat ca 400 Kalorien und deckt damit noch nicht einmal ein Viertel des Tagesbedarfs. Um das zu erzeugen benötigen wir ca 10 Quadratmeter Ackerfläche. Auf gleicher Fläche könnte man auch 40 Kilo Kartoffeln anpflanzen und hätte damit 15.400 Kalorien zur Verfügung und könnte damit 7 Menschen einen Tag lang ernähren. Man könnte auch sagen: An einem Steak klebt das Blut von 7 Menschen.
Der Wasserverbrauch ist hier noch nicht mal berücksichtigt. (Studie Fleisch frisst Land vom WWF)

Wir opfern nicht nur wir die Fläche für die Fleischproduktion, sondern Fleischkonsum ist auch noch ein gemeiner Klimakiller:

CO2

eine Studie der Universität Oxford gibt eine ganz klare Antwort: Fleischesser produzieren 2,5 mal mehr CO2 als Veganer. Berücksichtigt wurden alle von Produktion über Transport bis zur Verdauung produziertes CO2 (mehr dazu auf Klimaretter.info)
Hoher Fleischverzehr (mehr als 100g/Tag) = 7.26 kilo CO2e
Niedriger Fleischverzeht (weniger als 50g/Tag) = 4.67 kg CO2e
Fischverzehr = 3.94 kg CO2e
Vegetarier = 3.85 kg CO2e
Veganer = 2.94 kg CO2e

Massentierhaltung

Ein wesentlicher Bestandteil an der CO2 Entwicklung trägt die Massentierhaltung. Dieser Wert ist zwar in oben genannter Studie bereits berücksichtigt, ich möchte es hier wegen des Tierwohls als separaten Punkt aufführen.
753 Mio Tiere leben und sterben in Deutschland in der Massentierhaltung. So leben viel zu viele Tiere auf viel zu wenig Raum, damit sie sich nicht gegenseitig verletzen werden Hörner, Schwänze, Krallen meist ohne Betäubung entfernt und weil diese bemitleidenswerten Kreaturen anfällig für Krankheiten sind, werden sie mit Antibiotika voll gepumpt. Niemand, der diese Zustände einmal gesehen hat, wird wohl behaupten, dass das den Tieren nichts ausmacht. Kommt man auf dieses Thema, wehren alle Fleischesser fast immer reflexartig mit einem Argument ab “Ich esse nur Biofleisch” – Das würde bedeuten, dass 100% aller Fleischesser, 2% Marktanteil ausmachen? Merkwürdige Rechnung.
An dieser pervertierten Abart der Industrialisierung nimmt der Veganer jedenfalls nicht Teil.

Leder & Pelz

Eines vorab: Für mich gibt es keinen Unterschied zwischen Leder und Pelz. Nur weil Pelztiere das fragwürdige Glück hatten in der Kategorie “Niedlich” angesiedelt zu sein, fühlen sich viele Menschen stärker dazu berufen Pelz zu boykottieren als auf Lederschuhe zu verzichten. Tatsächlich widerfährt Rindern und Reptilien das gleiche unwürdige Schicksal. Sie werden ausschließlich für ihre Haut getötet. Leder und Pelz ist nämlich nicht nur einfach ein Abfallprodukt der Fleischindustrie – Tiere werden extra dafür getötet. An der Stelle möchte ich die Doku “Gift auf unserer Haut” empfehlen.
Tierleid ist an dieser Stelle die eine Seite der Medaille. Die andere sind Unmengen an Chrom und anderen Giftstoffen die in Bangladesch einfach mal eben von den Gerbereien in den nächst besten Fluss geleitet werden

Monokultur und Soja

Soja wird meist als Monokultur angebaut und die Vegane Ernährung besteht tatsächlich zum großen Teil aus Soja (Tofu, Sojamilch, Joghurt, Soja-Flocken, Soja-Granulat…)
Immerhin stammt das Soja in unseren Läden aus biologischem Anbau – Nachhaltige Ernährung sieht aber dennoch anders aus. Fakt ist aber auch, dass man seinen Eiweißbedarf auch mit anderen, deutlich nachhaltigeren Pflanzen decken kann. Zum Beispiel: Erbsen, Linsen, Bulgur, Couscous, Amaranth, Buchweizen, Kichererbsen oder Lupine.
Die Lupine, die ich erst kürzlich für mich entdeckt habe, scheint gerade ihren Siegeszug anzutreten. Ich finde das geil! Nicht nur weil sie in Sachen Eiweißgehalt und Kalorien dem Soja mal so richtig aufs Maul haut (fast die Hälfte ist Eiweiß) sondern auch alle essentiellen Aminosäuren enthält, auf heimischen Boden wächst und dazu noch dem Ackerboden gut gut. Ach ja – und schmeckt geil! Alberts / PurVegan macht leckere Sachen damit und auch der Joghurt von Made with Luv ist ein Gaumenschmeichler.

 

Sind Veganer jetzt bessere Menschen oder nicht?
Einfach auf Fleisch verzichten macht noch keinen nachhaltigen Konsum aus. Grundsätzlich ist vegane Ernährung nachhaltiger  – aber das befreit uns Veganer noch lange nicht unseren Konsum immer wieder erneut auf den Prüfstand zu stellen. Eine Avokado aus Peru ist nicht nachhaltig – ebenso wenig wie eine Banane aus Ecuador. Nur weil ein Produkt keine tierischen Bestandteile hat, ist es nicht automatisch nachhaltige Ernährung.

Wir empfehlen diese veganen Onlineshops für eine nachhaltige Ernährung:

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