Clean Meat | Wie nachhaltig ist das Laborfleisch?

In-Vitro Fleisch klingt nerdig-komisch, Laborfleisch irgendwie eklig – Clean Meat ist phonetisch wohl der klare Sieger. Es fühlt sich aber trotzdem noch nach Science Fiction an, tatsächlich stehen die ersten Anbieter kurz vor dem Markteintritt. Aber was ist das eigentlich? Wie klima – und umweltfreundlich ist es? Löst Clean Meat wirklich Probleme und ist es es wirklich die Antwort auf viele Fragen unserer Zeit? Wir klären über das Fleisch der Zukunft auf.

Clean Meat – Das Fleisch der Zukunft aus dem Labor

Eines vorweg: Clean Meat ist kein Kunstfleisch – Es ist echtes Fleisch! Für die Herstellung werden Muskelstammzellen entnommen und mit einer Nährlösung zum wachsen gebracht. Daher auch der Name In-Vitro = im Glas. Was einfach klingt, ist ein komplexer Vorgang. Bereits 2013 wurde der erste im Glas gezüchtete Burger der Öffentlichkeit vorgestellt. Satte 330.000$ kostete das Patty. 6 Jahre später liegen wir schon unter 10€

Weil es eben kein künstliches Fleisch ist, enthält In-Vitro Fleisch auch die gleichen Nährstoffe und die gleiche Konsistenz.

Clean Meat – Die Antwort auf viele Fragen?

Natürlich muss man das Thema differenziert betrachten. Es gibt Nachteile und auch Vorteile. Da die Forschung aber gerade noch in den Anfängen steckt, sollte man auch berücksichtigen, dass die Nachteile ausgemerzt werden können.

Tierschutz

Aktuell wird das Wachstumsserum aus dem Herzen eines lebenden Embryos entnommen. Mutter und Kind sterben dabei. Aber die Forschung ist noch am Anfang und man entwickelt bereits eine rein pflanzliche Alternative. Natürlich dürfte das deutlich weniger Tierleid verursachen, als der Tod von 56 Milliarden Tieren jedes Jahr, aber dennoch: Stand heute ist Clean Meat nicht mit einem veganen Lebensstil vereinbar.

Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung

2050 werden wahrscheinlich 10 Mrd. Menschen auf er Erde leben und alle wollen essen. Wie können alle ernährt werden? Mit unserem heutigen Fleischkonsum ist das schlicht nicht möglich. Das kann man drehen und wenden wie man will. Das liegt ganz banal an den nutzbaren Flächen und Ressourcen.

Ressourcenverbrauch: Wasser und Fläche

70% des weltweiten Wasserverbrauchs und 40% der Landfläche gehen auf das Konto der Fleischproduktion – das ist 20 mal mehr als für Clean Meat benötigt wird. Weder Anbauflächen noch Tierhaltungsbetriebe oder Schlachthöfe sind notwendig. Nicht nur, dass man nur einen statt 3 Betriebe benötigt um in-vitro Fleisch herzustellen, die Herstellungsbetriebe könnten sogar in Hochhäusern arbeiten, was genau wie vertical farming ein sehr platzsparender Aufbau von Produktionsstätten bedeutet.

In-Vitro Fleisch  braucht im Vergleich zu konventioneller Fleischproduktion nur die Hälfte Wasser und einen Bruchteil Fläche. Klarer Punkt für Clean Meat. Der Wasserverbrauch wird ständig optimiert. 7.000 Liter trifft auf Rindfleisch zu, für Hühnchenfleisch zum Beispiel liegt die Einsparung bei bis zu 90%

Lokale Produktion

Unabhängig davon, welche Hersteller sich am Markt am Ende durchsetzen. Clean Meat kann man quasi überall herstellen, auch mitten in der Stadt – also da wo es auch konsumiert wird, was lange Lieferwege unnötig macht.

CO2 Ausstoß und Energiebedarf

Die Konventionelle Tierhaltung ist für 15% der Treibhausgase verantwortlich. In-Vitro Fleisch kann die um 96% reduzieren.
Natürlich wird für die Herstellung von In-Vitro Fleisch eine ganze Menge Energie benötigt. Um genau zu sein, sogar genauso viel wie in der Rinderzucht. Wie klimafreundlich das ist, hängt natürlich davon ab, ob die Herstellung mit Ökostrom passiert oder nicht. Wir gehen außerdem davon aus, dass der Energiebedarf weiter sinkt, weil der Produktionsprozess optimiert wird.

Gesundheit

Täglicher Fleischkonsum ist ungesund, daran ändert auch Clean Meat nichts. Rotes Fleisch gilt laut WHO sogar als krebserregend. Maximal 300-600 Gramm pro Woche empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Anders als Fleisch aus Massentierhaltung, dürfte Laborfleisch allerdings frei von Antibiotika und anderem Kram sein.

Mein persönliches Fazit:

Würde ich ich In-Vitro Fleisch essen? Ja! Ich bin zwar Veganer, aber wie viele andere Veganer lehne ich in erster Linie die Art und Weise der Fleischerzeugung ab und nicht den Geschmack. Sofern also kein Tier für die Herstellung von Clean Meat sterben muss, würde ich zumindest mal probieren.

Clean Meat ist definitiv effektiver und ethisch besser als die konventionelle Fleischproduktion. Verbraucht aber noch viel Energie und Wasser – Hier hat pflanzliches Eiweiß die Nase vorn. Bei der Fläche geht der Punkt hingegen ganz klar an In-Vitro Fleisch.

Neben Insekten und pflanzlicher Proteinquellen, könnte Laborfleisch eine wichtige Säule der Ernährung der Zukunft sein.

Klar ist auch, wenn wir zukünftig Fleisch in gleicher Qualität und gleichem Preis klimafreundlich und ressourcenschonend produzieren können, ohne dabei Tiere zu töten, dann wird “echtes” Fleisch das neue Rauchen. Denn es gibt dann absolut keinen Grund warum man das noch essen sollte, außer man möchte explizit, dass ein Lebewesen leidet und stirbt.

Diese Anbieter stehen kurz vor dem Markteintritt:

Wie zukunftsweisend das Thema ist, zeigt alleine schon die Bereitschaft großer Unternehmen in diese Start-Ups zu investieren. Und wir glauben auch, dass Beyond Meat gerade so verstärkt auf den internationalen Markt drängt, weil die nächste Generation “Fleischersatz” schon so konkret in den Startlöchern steht.

Hampton Creek

Die Produkte Just Egg und Just Mayo kennt vielleicht schon der ein oder andere. Hampton Creek aus Kalifornien ist nämlich schon am Markt vertreten – mit veganer Mayonnaise und Eiern auf Pflanzenbasis. Das verschafft dem Unternehmen einen Vorsprung und so will man schon 2018 Clean Chicken Nuggets vorstellen.

Mosa Meat

In-Vitro Fleisch von unseren holländischen Nachbarn. Mit 2 Mio € ist hier die Bell AG eingestiegen, die man eher für ihre Marken Hilcona und Heirler kennt. Dahinter steckt wiederum die Schweizer COOP Genossenschaft. Mit 5,5 Mio Euro ist auch der Pharmakonzern Merck an Mosa Meat eingestigen.

Supermeat

An dem israelischen Startup ist unter anderen Wiesenhof beteiligt, die ja bereits als deutscher Vertriebspartner von Beyond Meat in neue Gefilde vorgestoßen sind. Der Fokus liegt klar bei Hühnerfleisch. 2021 sollen die ersten Produkte zunächst für Restaurants marktreif sein.

Memphis Meats

Neben Bill Gates und Richard Branson ist hier der internationale Konzern Cargill beteiligt, der auf Futter und Lebensmittel spezialisiert ist und auch in Deutschland eine Niederlassung in Krefeld hat. Neben dem Promibonus ist MM auch deshalb immer in den Medien, weil sie 2016 das erste Fleischbällchen präsentiert haben, gefolgt von Hühner und Entenfleisch. Nach eigenen Angaben spart die Herstellung sogar 90% Wasser im Vergleich zu konventioneller Fleischproduktion ein.

Aleph Farms

Ebenfalls aus Israel kommt Aleph Farms mit der Schweizer Migros AG im Rücken. Aktuell werden die sogenannten Biofarmen aufgebaut. Probieren dürfen Verbraucher wahrscheinlich  2024 in wenigen ausgewählten Restaurants, sicher zunächst in Israel. Ein interessantes Interview mit dem Gründer Didier Toubia gibt es auf gruenderszene.de. Im Juni 2019 stieg auch Cargill in das Unternehmen ein.

Finless Foods

Anders als bei den anderen Herstellern, will das Startup aus San Francisco Fisch aus Stammzellen züchten und damit bis 2021 an den Markt gehen. Und zwar mit Blauflossen-Thunfisch – der am meisten über-fischten Art. Weil Fischzellen lediglich Raumtemperatur zur Vermehrung brauchen, dürfte der Energieaufwand erheblich geringer sein, als zum Beispiel Rindfleisch.

 

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Mehr zum Thema Clean Meat: Handelsblatt.com
Informationsseite von PETA zum Thema Laborfleisch

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